Einreise nach Russland

Roland ist total aufgeregt. Er hat bis spät Nachts recherchiert, was man im Wolga Delta nahe Astrachan alles sehen und erleben kann. Er möchte mindestens zwei Nächte dort bleiben.

Aber zuerst mal hin kommen. Wir sind noch gar nicht raus aus der Stadt, da entdeckt Roland einen Schrottplatz, auf dem ein altes Flugzeug der UdSSR zwischen russsichen Trucks und anderem Schrott verrostet. Neugierig wie er nunmal ist, will er sich das genauer ansehen und wird tatsächlich von einem älteren Mann hineingelassen. Der Mann hinkt und geht am Stock aber er führt Roland gern über den Schrottplatz und zeigt ihm die Überreste des Cockpits und weitere Flugzeiteile, die dort verteilt rumliegen. Ein Flugzeugheck schaukelt leicht im Wind und macht knarzende Geräusche. Wie kamen diese riesen Flugzeugteile bloß hier her? Eine skurrile Atmosphäre, Roland ist völlig aus dem Häuschen als er mir davon erzählt. Der geilste Schrotrplatz, den er jemals gesehen hat. Und das wsren viele.

Die Straße zur russischen Grenze ist leider in einem sehr schlechten Zustand. Voller Schlaglöcher und Furchen und wir kommen daher nur langsam voran. Auf halber Strecke halten wir an einem feuerrot leuchtenden Salzsee kurz für ein paar Fotos.

Die Ausreise aus Kasachstan ist easy, die Einreise nach Russland ebenfalls. Der russische Zöllner möchte kurz in unsere Tankbags gucken, das war’s. Wir sind in Russland, Land Nummer 12 auf unserer Reise.

In Astrachan hab ich ein Hotel rausgesucht, das nur 1.300 Rubel, umgerechnet 16€/Nacht kostet. Der Check-in gestaltet sich schwierig, da die unglaublich unsympathische Frau an der Rezeption quasi kein Englisch spricht. Und dann rollt sie auch noch mit den Augen, weil ich kein Russisch spreche. „You Phone Translate“ sagt sie. „No Internet. Do you have wifi?“ antworte ich. Augenrollen Nr. 2 aber ich bekomme das Passwort. Als ich bei booking nachsehe, kostet das Zimmer nur noch 900 Rubel. Ich zeige ihr mein Telefon. Sie will trotzdem 1.700 Rubel. Also buche ich das Zimmer kurzerhand direkt vor ihrer Nase über booking. Nicht mit mir, unfreundliches Fräulein. Es folgen weitere Augenroller, weil wir mit Karte zahlen wollen und dann weil ich die russische Frühstückskarte nicht lesen kann. Kaffee versteht sie, Blinis „niet mjersa“ und Hühnergackern für ein paar Eier auch. Geht doch.

Als sie mir das Zimmer zeigt, spricht sie auf einmal etwas Englisch, zwar unglaublich schlecht aber es reicht, um mich erneut zu beschuldigen, dass ich kein Russisch spreche. Why? und sie schüttelt den Kopf. I’ve learned Englisch at school erkläre ich ihr versöhnlich. Why all learn English not Russian will sie wissen. Weil Russland nicht der Nabel der Welt ist auch wenn du das glaubst, du Nuss. Denke ich mir und schweige den restlichen Weg zum Zimmer.

Nachdem wir alles im Zimmer verstaut haben, kaufen wir uns noch ein Bier im Hotel, es gibt Gösser. Unglaublich. Roland und ich sitzen auf der Terrasse, als die Frau von der Rezeption zu uns kommt und eine Zigarette raucht. Sie beginnt ein Gespräch über Russland und die Welt und ich bin froh, dass sich Roland ihrer annimmt. Sie liebt Putin und Stalin war ja auch so super, ach was war der Typ toll. So stark. Wie Putin. Ich glaub ich muss gleich kotzen. Sie fragt, warum Europa Russland nicht mag. Russland ist ja gar nicht böse. Auch nicht zur Urkaine. Ukraine is not our enemy meint sie. Mädel, schonmal daran gedacht, dass Russland aber für die Ukraine der Feind ist? Wer ist denn mit militärischer Gewalt dort einmarschiert? Ich kann mir das nicht länger anhören, sage Gute Nacht, Roland folgt mir und wir gehen aufs Zimmer. Was für ein wahnsinniger erster Tag in Russland!

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