Summit to Sea: Nach Batumi

Nach dem Frühstück laufen wir nochmal durch den kleinen Ort Ushguli. Micha und Christian sind bereits fertig aufgepackt und verabschieden sich.

Das Wetter ist herrlich, die Sonne scheint und man hat einen fantastischen Blick auf die hohen, weißen Berge. Bei vielen Pensionen stehen Pferde und die Guides warten auf Touristen, die einen Ausflug hoch zu Ross machen möchten. Weder in Kirgisitan noch hier schaffe ich es, Roland zu einem Austritt zu überreden. 1 PS ist ihm dann doch zu wenig.

Heute geht’s nach Batumi. Roland möchte unbedingt dorthin, mich zieht es nicht in das „Las Vegas am Kaspischen Meer“ wie es oft genannt wird. Aber da es quasi auf dem Weg in die Türkei liegt, sage ich ja.

Bis kurz vor Mestia ist die Straße genauso matschig wie gestern, allerdings weniger steinig. Danach geht es auf Asphalt weiter, denn die Straße Richtung Ushguli wird aktuell neu gebaut. Bis zu sechs Monate im Jahr versinkt ihre Stadt im Schnee, weshalb die Straße in die etwa 40 Kilometer entfernte Regionshauptstadt Mestia häufig gesperrt ist. Da macht Asphalt natürlich Sinn.

Wir erreichen Batumi bei Sonnenuntergang und checken im Surf Hostel im Zentrum ein. Zuerst möchten sie für ein Doppelzimmer 90 Lari (30€) von Roland, ich hab sie dann mit meiner charmanten Art überredet, 60 Lari (20€) wie bei Booking aufgeführt, zu verlangen. Die Bikes können wir sicher aber umständlich im Innenhof parken. Roland manövriert dazu erst Zicki dann seine nineT durch die parkenden Autos und schließlich die schmale Tür. Mit einem beherzten Schubser passt Zicki gerade so durch. Wiedermal bin ich froh um meine Softbags, mit Koffern hätte das nicht geklappt.

Wir ziehen uns um und laufen durch Batumi zum Pier. Es sind einige Menschen unterwegs, Jugendliche skaten, Kinder fahren auf ihren Rädern über die Promenade. Überall blinken Leuchtreklamen und hier und da hört man laute Musik. Ja, es ist ein unglaublich touristischer Ort, aber weit entfernt von Las Vegas.

Sataplia Naturpark in Kutaissi

Halleluja war das ein Unwetter gestern Nacht. Auf der Terrasse vor unserem Zimmer steht kein Möbelstück mehr an seinem ursprünglichen Platz und alle Polster sind pitschnass.

Jetzt scheint wieder die Sonne und wir machen uns fertig für einen kleinen Ausflug. Es gibt mehrere Attraktionen wie einen Canyon, Höhlen und Naturparks in der Nähe von Kutaissi, wir entscheiden uns für den nahegelegenen Sataplia Park. Hier wurden über 120 Millionen Jahre alte Dinosaurier-Fußabdrücke gefunden, die sehr gut erhalten sind. Außerdem gibt es einen netten Rundweg durch den Wald, eine Aussichtsplattform aus Glas und eine kleine Tropfsteinhöhle. Alles in allem ein netter Zeitvertreib.

Nervenkitzel in Chiatura

Pünktlich um 11 steht Buba vor der Tür. Wir verabschieden und bedanken uns und hoffen, dass er und seine Familie uns bald in Bayern besuchen.

Unser erstes Ziel heute ist Chiatura, eine alte Industriestadt. Bis zum 1. Weltkrieg wurde hier das meiste Manganerz weltweit abgebaut, das zum größten Teil nach Deutschland exportiert wurde.

Chiatura liegt eingebettet in einem Tal, die Straße dorthin windet sich in engen Kurven den Berg hinab. Sofort fallen einem die uralten Industrieanlagen und die vielen Seilbahnen ins Auge, die kreuz und quer über die Stadt führen. 1954 wurde die erste von über 70 Seilbahn in Betrieb genommen, ein paar wenige werden heute noch für den Personenverkehr verwendet. Und zwar in unverändertem Zustand seit dem ersten Tag. An einem Kreisverkehr finden wir einen Bahnhof für zwei Seilbahnen. In einer fährt man alleine, in der anderen mit Personal, meist sind es Frauen, die die Seilbahnen steuern. Roland möchte zuerst die unbemannte fahren. Wir betreten die kleine Kabine, Roland kann kaum aufrecht stehen. Die Tür knallt ist Schloss. Es ist finster, kaum Licht dringt durch die zwei runden Gitterfenster ins Kabineninnere. Das ist wahrlich nichts für Klaustophobiker und ich überlege kurz, ob ich diese Phobie auch habe. Eine schrille Klingel ertönt und wir starten los. Die Fahrt dauert nicht lange, vielleicht zwei Minuten aber mein Herz schlägt mir bis zum Hals. Die Seilbahn quietscht und ruckelt. Als die Kabine mit einem lauten Knall oben am Berg im Bahnhof einrastet, werfe ich mich vor Schreck auf den Boden und umklammere meinen Tankrucksack. Wenn wir abstürzen dann möchte ich mit all meinen Dokumenten im Arm gefunden werden. Macht die Identifizierung einfacher. Oben erwarten uns zwei Sicherheitsbeamte und zwei sehr, sehr alte Damen. Sie sitzen gelangweilt auf einer Bank, mehr als ein müdes Kopfnicken, als wir sie begrüßen, ist nicht drin. Ich mache ein paar Fotos, Roland sieht sich währenddessen den Maschinenraum an und versucht mich zu beruhigen. „Das sieht ordentlich aus, ist alles gut geschmiert.“ Also wenn ich etwas in meiner Beziehung mit einem Ingenieur gelernt habe dann, dass das „Schmieren“ bei mechanischen Teilen das Wichtigste ist. Die Fahrt nach unten ist ähnlich aufregend für mich, wenigstens traue ich mich kurz durch die Gitterfenster zu sehen.

Die zweite Seilbahn ist viel größer und wird von einer Dame gesteuert. Sie führt über den unfassbar dreckigbraunen Fluss auf den gegenüberliegenden Berg zu vier maroden Wohnhäusern aus der Sowjet-Zeit. Die Fahrt dauert länger, ist aber viel ruhiger und angenehmer. Oben angekommen werfe ich einen Blick auf die Häuser. Kaum ein Fenster ist mehr vollständig erhalten, der Putz bröckelt überall von der Fassade, bei vielen Balkonen fehlen große Teile des Mauerwerks. Und trotzdem sehe ich in einer Etage eine Leine mit Wäsche hängen. Mit uns in der Seilbahn saßen ein Mann und eine Frau, beide tragen ihre Einkaufstüten in eines der Wohnhäuser. In den heruntergekommenen Gebäuden wohnen tatsächlich noch Menschen.

Cs. 10.000 Einwohner hat Chiatura und für die meisten sind die Seilbahnen der schnellste und günstigste Weg, in die Arbeit und wieder nach Hause zu kommen. Mit dem Auto würde es ca. 20 Minuten dauern, um vom Zentrum bis hier rauf auf den Berg zu gelangen, die Seilbahn braucht keine 5. Vermutlich würde auch ich mich nach ein paar Tagen an diese Art der Beförderung gewöhnen. Aber so ist es ein Abenteuer.

Knapp 100 km fahren wir heute noch bis Kutaissi. Ich hab im Internet ein kleines Hotel rausgesucht. Wie jeden Abend wird in windeseile eingecheckt und umgezogen. In einem kleinen Lokal am Fluss essen wir zu Abend. Da die Wettervorhersage für die Gegend um Ushguli, unser nächstes Ziel, schlecht ist, beschließen wir, morgen noch in Kutaissi zu bleiben.

Zwei weitere Nächte in Tbilisi

Zwei weitere Nächte bleiben wir in Tbilisi, obwohl Zicki bereits heute repariert ist. Die Lichtmaschine wurde neu gewickelt, ein Ölwechsel gemacht und Licht und Zusatzscheinwerfer funktionieren auch wieder. Ich schaffe es, ein paar Blogeinträge zu schreiben und wasche unsere Wäsche, während Roland bei Bikeland bei seiner nineT selbst einen kompletten Kundendienst durchführt. Danach erkunden wir die Festung Narikala und sehen uns die Statue „Mutter Georgiens“ aus der Nähe an. Beides befindet sich oberhalb der Altstadt. Von hier kann man sich gleich einen guten Überblick über Tbilisi verschaffen. Die moderne Friedensbrücke von 2010 und die imposante Sameba Kathedrale von 2004, die größte Kirche im Südkaukasus, fallen sofort ins Auge und sind nur zwei Beispiele für die vielfältige Architektur der Stadt. Uns gefällt Tbilisi sehr gut.

Am Spätnachmittag holt uns Buba für einen Ride mit seinen Motorradkumpels ab, Ziel ist das Kloster Dschwari nordwestlich von Tbilisi. Von dort hat man einen wunderbaren Blick auf das umliegende Tal und den Fluss Kura, der auch durch Tbilisi fließt.

Buba fährt eine umgebaute Sportster, trägt Karohemd, eine Kutte mit seinem selbst designten Patch „Lone Lion“ und ein Braincap. Ein kleiner Outlaw könnte man auf den ersten Blick meinen. Stimmt fast. Buba ist Professor für Internationales Recht. Aber auch ein bisschen Outlaw, denn er fährt seit Jahren Motorrad, ohne den Schein zu haben. Weil er ihn gar nicht erst machen darf. Er verlor als Kind bei einem Unfall mit Starkstrom beide Hände und trägt Prothesen. Trotzdem fährt er Auto und Motorrad. Zuerst wollten die Behörden es ihm verbieten, ein normales Auto zu fahren, sie haben aber die Rechnung ohne den Herrn Professor gemacht. Den Prozess gegen das Amt hat Buba gewonnen und das gleiche versucht er jetzt auch beim Motorrad-Führerschein durchzusetzen. Seine Harley ist so umgebaut, dass er über eine Umlenkung mit dem rechten Knie Kuppeln kann. Tricky ist in meinen Augen nur das Wegfahren, da er im Stand für einen kurzen Moment beide Füße vom Boden nehmen muss. Es ist unglaublich und beeindruckend. Der Wille kann Berge versetzen.

Abends gehen Roland und ich wieder essen in das gleiche Restaurant wie gestern, allerdings isst Roland diesmal Fisch. Und ich hab wieder eine Flasche Weißwein.

Am darauffolgenden Tag machen wir erneut einen kleinen Ausflug mit den Jungs, diesmal nach Mtatsminda, einem Berg, der neben dem über 200 m hohen Fernsehturm auch einen Freizeitpark aus Sowjet-Zeit zu bieten hat. Und natürlich wieder einen grandiosen Blick auf Tbilisi. Hier springt der Zähler auf 22.000 km, aber nachdem wir nicht die ganze Gruppe aufhalten wollen, machen wir unser obligatorisches Foto erst am nächsten Tag vor der Abreise zusammen mit Buba.

Nichts geht mehr in Shatili

Auch wenn wir am liebsten noch länger in Passanauri bleiben möchten, die Uhr tickt und wir haben nur noch gute drei Wochen, bis wir wieder daheim sein müssen. Außerdem warten weitere tolle Orte in Georgien auf uns, Shatili, Omalo, Tbilisi, Ushguli und Batumi wollen wir anfahren.

Für das Frühstück fehlt nur noch Milch, die es aber leider nicht im kleinen Laden direkt ums Eck gibt. Daher gehe ich nun mit Lika und ihren Kids sowie ihrer Freundin Mary von Haus zu Haus, um nach frischer Milch zu fragen. Quasi jeder hier in der Straße hat eine oder mehrere Kühe, allerdings hat niemand Milch. Ist schon zu Käse verarbeitet worden, übersetzt Lika. Sie hat noch einen Liter Milch daheim und möchte mir unbedingt etwas abfüllen. Ein Nein akzeptiert sie nicht.

Nach dem Frühstück packen wir unsere Sachen und gerade als die Bikes fertig beladen sind, beginnt es zu regnen. Also ziehen wir unsere Regenkleidung an und wollen gerade los, als Lika meint, wir müssen noch zu ihr nach Hause kommen. Ihre Mama kocht gerade für uns. Wir sind immer noch satt vom Frühstück aber wen wundert’s, ein Nein akzeptiert sie nicht.

Ihre Mama bereitet Kartopiliani gvezeli zu, so was wie Chatchapuli, also Pizza nur nicht mit Käse gefüllt sondern Kartoffelbrei. Also Kohlehydrate in Kohlehydrate gepackt. Ich esse für mein Leben gern, und es schmeckt lecker aber mehr als zwei Stück schaffe ich einfach nicht. Ich bin voll bis obenhin. Lika schenkt uns einen kleinen Chacha ein und meint, gleich geht’s wieder besser. Wir trinken, und sie hat recht, aber was sage ich, wenn mich die Polizei anhält? Sorry, Ranzen hat gespannt, musste Chacha trinken?

Lika füllt uns noch 1L des selbst gebrannten Chacha in eine Plastikflasche ab und einen halben Liter Tkemali, das ist eine sauer-scharfe Sauce aus Kirschpflaumen, ebenfalls selbst gemacht. Mit Müh und Not schaffe ich es, einen weiteren halben Liter Sauce, Äpfel, Nüsse und die Reste von der Kartoffelpizza abzulehnen. Dafür schenkt mir ihre Mama einen handgestrickten Umgang und erst nach mehrmaligem Danke und „Wir müssen jetzt wirklich los“ dürfen wir gehen.

Bei der Einreise vor zwei Tagen hatten wir einen Flyer bekommen, dass man in Georgien seit März 2018 eine Versicherung für das eigene Fahrzeug abschließen muss. Kostet 20 Lari. Das Büro war am Kazbegi, aber angeblich kann man auch an den Paybox Automaten bezahlen. Diese Automaten stehen an jeder Ecke und viele Georgier bezahlen hier ihre Rechnungen. Handy, Versicherung, Strom, Strafzettel bis hin zu Grabgebühren. Kein Witz. Leider finde ich die Versicherung nicht und so beschließen wir, auf Risiko zu gehen und ohne zu fahren.

Es geht zuerst südlich, ab dem Zhinvali Stausee fahren wir wieder in den Norden, in die Berge und nach ein paar Kilometern wird die Asphaltstraße zu einer schönen Schotterstrecke, die sich in wunderbaren Kurven bis auf über 2.600 m windet. Danach geht’s bergab, weiter in die endlosen Berge hinein. Die Straße wird immer anspruchsvoller, die Landschaft immer spektakulärer.

Mittlerweile sind wir seit vier Stunden unterwegs, es ist Spätnachmittag und es sind noch ein paar Kilometer nach Shatili. Roland duldet nur noch kurze Fotostopps unter einer Minute, er möchte die Strecke heute wieder zurück fahren. Ich schwinge mich wieder in den Sattel, drücke den Startknopf und – nichts passiert. Ich drücke nochmal, aber es macht nur klackklackklack. Das Cockpit leuchtet kurz auf, dann ist alles dunkel. Nein, ich flippe aus. Mein erster Gedanke: die Batterie. Jedes Jahr das gleiche. Das darf doch nicht wahr sein. Zum Glück geht es bergab und ich kann Zicki losrollen und dann anmachen. In Shatili angekommen, springt Zicki trotzdem nicht an, obwohl die Fahrt die Batterie hätte laden müssen. Wir nehmen uns in einem der Gasthäuser ein Zimmer, denn es dämmert bereits und ich hab keine Lust, in diesem Zustand den Pass wieder hochzufahren. Lieber möchte ich morgen in Ruhe auf Fehlersuche gehen. Im Guesthouse ist außer uns eine Familie aus Berlin, mit denen wir uns kurz unterhalten. Sie empfehlen uns, die Nekropolis ein paar Kilometer nach Shatili anzusehen. Zuerst muss aber Zicki wieder laufen.

Einreise nach Georgien

Die Nacht war ruhig, es hat nur ein bisschen geblitzt und geregnet. Allerdings sieht die Klippe bei Tageslicht gleich nochmal gefährlicher aus. Es sind locker 15 m bis zum Fluss. Drei Jungs aus dem Dorf stört das nicht, sie springen immer wieder von der Klippe und lassen sich im Wasser ein Stück weitertreiben. Ich bin beeindruckt. Ich würde mich das nicht trauen. Roland findet ein Stück von unserem Zelt entfernt einen Weg zum Ufer. Am Ufer stehen seltsame, große Begrenzungen, für was die wohl sind?

Wir starten unseren letzten 130 Kilometer in Russland bis zur Grenze und es ist ein Spießroutenlauf. Überall Polizei und Militär. Teilweise steht alle 500 m ein Polizist am Straßenrand. Wir werden auch kontrolliert. Das erste Mal verläuft ganz normal, der Beamte sieht, dass ich genau wie er 1980 geboren bin. Das findet er total toll und als er auch noch mein Nummernschild mit der 80 sieht flippt er aus. Sein Auto hat ebenfalls die 80 als Kennzeichen. Wir dürfen sofort weiter fahren. Wunderbar, das war easy.

Keine zwei Minuten später Blaulicht hinter mir und die Sirene. Wir halten an. Drei Beamte sitzen im Auto, einer steigt aus. Er will Rolands Papiere sehen. Ich werde ignoriert. Er redet mit Roland aber ich verstehe auch so, dass wir hier nicht fahren dürfen. Roland zeigt ihm die Navigation, die uns genau hier entlang führt. Dem Polizisten ist das egal. Wir sollen ihm aufs Revier folgen für eine Strafe. Sicher nicht, sagt Roland zu mir und setzt den Helm ab. Dann beugt er sich zu dem Polizisten vor und fragt SEHR bestimmt: „Tell me, what’s the reason? What’s the problem? Political reason?“ Diesen Roland kenne ich. Jetzt versteht er keinen Spass mehr, seine Geduld ist zu Ende. Der Polizist spricht kurz mit seinen Kollegen, dann gibt er Roland seine Papiere und sagt: Ok, go! Und das machen wir auch so schnell wie möglich.

Panzer kommen uns entgegen und wir passieren mehrere Militär- und Polizeikontrollen, aber ohne weitere Zwischenfälle. Ich beobachte die Umgebung genau. Ganz wohl fühle ich mich nicht. Natürlich gibt es eine Sicherheitswarnung des Auswärtigen Amtes für den Nordkaukasus. Aber vor welchem Land warnt dieses Amt bitte nicht. Selbst bei Reisen nach Österreich wird empfohlen, sich in die Krisenvorsorgeliste einzutragen. Und für uns gibt es keinen anderen Weg heim. Also Augen zu und durch. Oder besser Augen auf!

Einige Kfz-Kennzeichen tragen neben der russischen Flagge auch die weiß/rot/gelbe und das Kürzel RSO für Südossetien. Südossetien ist genau wie Abchasien eine von Georgien abtrünnige Region, angeblich eigenständig aber Russland hat seit dem Krieg 2008 dort Truppen stationiert. Georgien erkennt die Unabhängigkeit nicht an und spricht von einer Annexion durch Russland.

Rechts neben der Straße entdecke ich ein großes Stalin Plakat, das ich fotografiere und mir später übersetzen lasse. Ich kann mir den Inhalt jetzt schon denken und bin entsetzt und traurig.

Das und die viele Polizei- und Militärpräsenz drücken auf die Stimmung. Passend dazu beginnt es auch noch zu regnen, als wir die Bergstraße richtig Grenze hochfahren. Als ob der Himmel für mich weint.

Ehrlich gesagt, ich bin erleichtert, als wir aus Russland aus- und kurz darauf nach Georgien einreisen. Beides geht zügig, wir fahren bei beiden Kontrollen an den Lkw vorbei. Für die Einreise nach Georgien müssen wir nicht mal das Motorrad verlassen.

Endlich wieder Berge! Ich genieße die kurvige Fahrt auf der A301, der sogenannten „Georgischen Heerstraße“. Der Regen hat kurz nach der Grenze aufgehört. Ein Zeichen. Nach wenigen Kilometern nehmen wir die erste Offroad Piste hinauf zur Gergeti Trinity Church dem Wahrzeichen Georgiens. Vom Parkplatz aus fahren Taxen die sehr steile und von tiefen Schlaglöchern übersähte Piste die Touristen nach oben. Wir versuchen es selber mit den Bikes. In der dritten Kurve liege ich das erste Mal. Es war eher eine schiefgelaufene Bremsung und ein Hinabschlittern als ein Sturz. Roland hilft Zicki aufzustellen und weiter geht’s. Oben angekommen sehen wir uns relativ zügig das Kloster an, die umliegenden Berge des Kaukasus verstecken sich hinter dicken Wolken. Schade, denn so bleibt uns der Blick auf den höchsten Berg Georgiens, den 5.047 m hohen Kazbegi verwehrt. Auf dem Weg nach unten passiert mir das gleiche wieder. Gegenverkehr, ich bremse, rutsche und falle. Es ist echt scheiße steil hier. Krone richten, weiter geht’s.

Im für den Tourismus bestens erschlossenen Ski-Gebiet um Gudauri holen wir Geld, kaufen ein uns fahren die A301 weiter Richtung Süden. Eine gute Stunde später entdeckt Roland einen schönen Platz direkt am Fluss zum campen. Große gelbe Rafting-Boote stehen am Ufer, es gibt eine Feuerstelle und eine Chillout Area. Wir fragen bei der Besitzerin nach, ob wir hier zelten dürfen. Der Grund gehört Lika und ihrer Familie, der Rafting Verein hat sich hier eingemietet. Lika lässt uns hier kostenlos übernachten, macht uns sofort Tee und zeigt uns das Gelände. Als wir unser Zelt aufbauen, bringt sie uns Chacha, den georgischen Schnaps, was zu essen und stellt uns ihren Vater Givi vor, der die ganze Nacht auf dem Platz Wache halten wird. Er spricht kaum Englisch aber wird sie anrufen, falls wir etwas brauchen. Sie wohnt direkt hier um die Ecke und kann dann sofort kommen. Dann machen die beiden noch ein Feuer für uns. Wir sind überwältigt von ihrer Herzlichkeit und Fürsorge und der Stress in Russland ist längst vergessen. Wir kochen nicht mehr, trinken noch zwei Bier am Feuer und freuen uns auf die nächsten Tage in Georgien.

Buddhismus, Schach und 12 Stühle

Unsere Vorbereitungen auf diese Reise waren ja eher mittelmäßig. Aus mehreren Gründen: Roland bekam erst im Februar die Zusage für sein Sabbatical und ist bis zu unserer Abreise Anfang Juni knietief in Arbeit gesteckt. Er hatte nichtmal ausreichend Zeit, sein Bike in vollem Umfang umzubauen. Ich hab mich seit Anfang des Jahres mit möglichen Routen beschäftigt, aber nach ein paar Wochen Recherche hat mir so der Kopf geraucht, dass ich wieder aufgehört habe. Die vielen Meinungen und teilweise widersprüchlichen Erzählungen anderer Reisende haben mich zu sehr verwirrt.

Roland und ich haben daher beschlossen, uns nur noch auf das Wichtigste zu konzentrieren, wie die Visa oder Notfälle bei uns und den Bikes. Routen und das ganze Drumherum machen wir dann on-the-go. So auch Russland. Statt wie ursprünglich angedacht, auf dem schnellsten Weg nach Georgien zu fahren, waren wir die letzten Tage im Wolga Delta und fahren heute nach Kalmückien, von dem ich bis gestern noch nie etwas gehört hatte. Und zugegeben, zuerst musste ich etwas Schmunzeln, als ich den Namen Kalmückien gelesen habe und vor allem deswegen war mein Interesse geweckt.

Kalmückien ist eine Republik in Russland und ist die einzige buddhistische Nation in Europa. Ursprünglich lebten hier die Nachfahren der alten Mongolen, bis sie im 2. Weltkrieg vertrieben wurden und erst 1956 wieder nach Kalmückien zurückkehren durften. Es dauerte allerdings bis nach dem Ende der Sowjetunion, bis sie ihrem buddhistischen Glauben wieder öffentlich nachgehen durften.

Wir haben uns als Ziel Elista, die Haupdtadt Kalmückiens, ausgesucht. Etwas über 300 km sind es von Astrachan Richtung Westen. Die Straße ist gut, es gibt kaum Verkehr und wir halten nur einmal an, als wir an einem großen Salzsee vorbei fahren.

In Elista checken wir in einem Biker Hotel direkt gegenüber vom buddhistischen Tempel ein, den wir auch gleich als erstes besichtigen. 2005 wurde die sogenannte „Goldene Heimstätte des Buddha Shakyamuni“ eröffnet, nur 1 Jahre nachdem der Dalai Lama das Grundstück selbst ausgewählt hatte. Die gesamte Tempelanlage ist beeindruckend. Rund um den 63m hohen Tempel findet man Gebetstrommeln, Pagoden mit Statuten und einen großen Brunnen.

Im Tempel steht die mit 9 Metern größte Buddha Statue in Europa. Die Statue ist mit Gold überzogen und steht erhöht direkt gegenüber des Eingangs. Daneben Kleidung des Dalai Lama, ein Geschenk an den Tempel, da er selbst wohl seit einigen Jahren aus politischen Gründen nicht mehr nach Russland einreisen darf, erzählt uns ein junger Mann am Eingang. Wie sich herausstellt, spricht er ein bisschen Deutsch, da er im Rahmen seines Landwirtschafts-Studiums an der Universität in Elista für ein Praktikum in Deutschland war. Und zwar auf Demeter und Bioland Höfen in Bayern und bei Hamburg. Ich brech zusammen. Ein Buddhist aus Russland bei Demeter. Deutschland hat ihm sehr gut gefallen meint er. Außer dass er bei der Gast-Familie in Hamburg so wenig Fleisch bekommen hat. Er brauche Fleisch, damit er stark ist.

Er schickt uns noch zu einer weiteren Kuriosität in Elista. Chess City, ein Stadtteil, der in den 90ern unter Kalmückiens Präsident Iljumschinow erbaut wurde. Iljumschinow war nicht nur bis 2010 Präsident Kalmückiens sondern ist seit 20 Jahren Vorsitzender des Weltschachverbands FIDE. Aufgrund seiner Nähe zu diversen Diktatoren wie al Gaddafi und Assad sowie dubiosen Finanzgeschäften stand er lange in der Kritik und diesen Sommer hat die FIDE ihren Vorsitzenden suspendiert. In Chess City findet man hier und da übergroße Schachfiguren zwischen den leerstehenden Gebäuden. Der Platz wirkt ansonsten verlassen und trostlos.

Wir laufen weiter durch die Stadt. An jeder Ecke entdecken wir buddhistische Bauten, Denkmäler und Statuen. Unter anderem eine Statue von Ostap Bender, der Protagonist aus dem Roman „12 Stühle“. Die Statue ließ ebenfalls Iljumschinow bauen, der den Roman wohl ganz toll fand. Den meisten Kalmücken ist ihr ehemaliger Präsident ziemlich unangenehm. weil er mehrmals öffentlich behauptet hat, von Außerirdischen entführt worden zu sein.

Zum Abendrssen suchen wir uns ein Restaurant, das lokale Spezialitäten serviert, die da heißen „Machan Scholtahan“, „Hursn Machn“ und „Böricki“.  Roland bestellt sich einen Mixteller allerdings ohne die ersten beiden Gerichte, da das irgendwas mit Hammelinnereien ist. „Böricki“ sind Teigtaschen und schmecken ihm sehr lecker. Nebenbei spielt die Kellnerin auf einer Art Gitarre, mit 3 Seiten und ja ich würde sagen, sie ist total verstimmt. Aber vermutlich muss sie genauso klingen hier im kuriosen Elista, in Kalmückien.

Astrachan, Russland

Das Frühstück im Hotel fällt bescheiden aus und passt irgendwie zu meinem ersten Eindruck gestern. Die Eier sind lieblos angebraten und zerfleddert und das Brot ist alt und trocken. Meine Blinis mit Quark sind allerdings mega lecker.

Unser Ziel heute: Irgendwie ins Wolga Delta zu kommen. Das Wolga Delta ist ein fast 30.000 km2 großes Naturschutzgebiet mit einer einzigartigen Flora und Fauna. Hier mündet Europas längster Fluss, die Wolga in über 800 Armen in das Kaspische Meer. Je nach Jahreszeit leben hier mehr als 300 Vogelarten, z.B. Reiher, Fisch- und Seeadler, Falken, Komorane, Bartmeisen und viele weitere. Rolands Interesse gilt mehr den Fischen – denn er bewirtschaftet in der Nähe von Passau zusammen mit seinem Vater in seiner Freizeit mehrere Fischteiche, u.a. für Karpfen. Angeblich soll es im Wolgadelta bis zu 35kg schwere Wildkarpfen geben. Und Welse, die sogar 100 kg auf die Waage bringen. Daneben Stöer, Zander, Hechte, Rodfedern und andere im Vergleich zu den monströsen Welsen und Karpfen langweilig wirkende Fische. Also zum Angeln komme ich nicht mit, das mache ich Roland gleich klar, aber bei einer Bootstour auf der Wolga bin ich gern dabei.

Roland hat im Internet das Reisebüro „Pegas Tours“ um die Ecke gefunden. Wir erkundigen uns dort nach einem Ausflug in das Astrachan Nature Reserve. Am liebsten würden wir auf eigene Faust dorthin, wir hoffen aber, dass wir bei einer geführten Tour mit dem Boot viel mehr über Flora und Fauna im Delta erfahren und auch mehr Tier sehen.

Angelina und ihr Kollege vom Büro sind super nett und hilfsbereit und telefonieren gleich mit dem Reservat. Eine individuelle Führung ist so spontan leider nicht möglich, aber wir können uns morgen einer kleinen Gruppe anschließen. Leider ist die Führung nur auf Russisch, wir buchen sie trotzdem. Morgen um 10 Uhr geht’s los.

Wir spazieren durch die Stadt, sehen uns den Kreml an und gehen in ein Fischladen, der auch den berühmten Kaviar aus Astrachan verkauft.

Dann entdeckt Roland einen Anglerladen. Und jetzt wird geshoppt. Eine Fischerhose, Stiefel, T-Shirt, eine Outdoor-Hose, ich bekomme ein Cap und ein Tuch und wir kaufen uns jeder einen Tarnhut mit Moskitonetz. Mit drei vollen Tüten verlassen wir den Laden. Keine Ahnung wie wir das auf unseren Bikes unterbringen sollen.

Auf dem Fischmarkt und im Supermarkt nebenan kaufen wir für das Abendessen ein. Wir mussten heute in ein anders Zimmer umziehen, das im 2. Stock liegt und einen sehr schönen Balkon mit Blick auf den Astrachaner Kreml hat. Dort verbringen wir den Abend mit geräuchertem Stör und Gösser Bier.

Taschkent

Taschkent ist die Hauptstadt Usbekistans und hat fast 2.5 Millionen Einwohner – nicht nur Usbeken sondern auch Turkmenen, Kirgisen, Tajiken und sehr viele Nachfahren von Koreanern, die in den 30ern von Stalin umgesiedelt wurden, leben hier.

Taschkent ist eine moderne Großstadt, in der das Erbe der Sowjet-Zeit noch präsent ist: ewig lange und breite Straßen führen durch die Stadt, man entdeckt hier und da noch Plattenbausiedlungen und quasi an jeder Ecke steht ein Kriegsdenkmal oder eine sozialistische Arbeiterstatue. Wir haben uns ein paar dieser Sehenswürdigkeiten herausgesucht und natürlich möchte Roland auch wieder zum Basar.

Unser erster Stopp ist das Mahnmal, das an das verheerende Erdbeben von 1966 erinnert. 300.000 Menschen wurden obdachlos – fast 1/3 der damals in Taschkent lebenden Einwohner. Das Mahnmal zeigt Vater, Mutter und das kleine Kind in der Hand der Mutter, außerdem sind Datum, Uhrzeit und die Stärke des Erdbebens: 7,5 abgebildet.

Danach laufen wir zum Amir Timur Platz, direkt dahinter steht unübersehbar das Hotel Uzbekistan – ein Paradebeispiel für sowjetische Architektur der 70er Jahre. Monströs nach außen und pompös innen.

Von hier aus nehmen wir die Metro zum Basar. Die Metro wurde 1977 eröffnet und ist damit die erste Zentralasiens. Sie erinnert mich stark an die Moskauer Metro. Alle Stationen sind wunderschön und prunkvoll gestaltet, mit viel Marmor und Stuck. Fotografieren ist leider strengstens verboten, da die Schächte auch als Atomschutzbunker genutzt werden können. Am Eingang, im Zwischengeschoss und auf dem Bahnsteig stehen Sicherheitsbeamte, ich wage trotzdem ein Foto an der Station Kosmonavtlar, die hauptsächlich dem aus Taschkent stammenden Kosmonauten Vladimir Dzhanibekov gewidmet ist. Neben ihm sind weitere Kosmonauten abgebildet. U.a. Yuri Gagarin und Valentina Tereshkova, die 1963 als erste Frau in den Weltraum flog.

Wir fahren weiter bis zu Station Chorsu, hier befindet sich der Basar. Der Basar besteht aus mehreren Gebäuden und in dem schönsten, dem Rundbau, gibt es vor allem Fleisch. Hier halte ich es nur kurz aus. Ich kaufe lieber draußen ein bisschen Obst und Nüsse ein. Dann nehmen wir wieder die Metro zum Hauptbahnhof. Dahinter befindet sich auf alten Gleisen ein Freilichtmuseum für Eisenbahntechnik mit über 30 Dampf- und Elektrolokomotiven und Wägen. Die älteste Lok ist von 1914. Roland mutiert zu einem „Sheldon Cooper“ und klettert aufgeregt auf die Loks und in die Führerhäuschen.

In der Nähe des Hauptbahnhofs liegt das koreanische Viertel und da es bereits nach 20 Uhr ist, möchten wir hier zu Abend essen. Unser Reiseführer empfiehlt das Restaurant „Mannam“. Die Kellnerinnen sprechen kein einziges Wort Englisch und wir kein Russisch außer „niet mjersa“ was „kein Fleisch“ heißt. Ich bestelle, was laut Reiseführer hier super schmeckt, die kalte Sommersuppe und natürlich Kimchi. Für Roland irgendwas mit „mjersa“ also Fleisch. Und was soll ich sagen, es schmeckt hervorragend. Phänomenal. Grossartig. Ich könnte mich in die Suppe reinsetzen, so lecker ist sie. Nudeln, viel Gemüse, Sesam und leckerste Gewürze machen die Suppe zu einem süsslich und leicht sauren Genuss. Ich musste 17.500 km fahren, um in Usbekistan das erste Mal in meinem Leben koreanisch zu essen. Hat sich gelohnt.

Im Reiseführer steht, dass die Metro bis 24 Uhr fährt. Unsere Linie, die grüne, leider nicht. Um 23.30 ist Schluss und wir müssen ab Oybek mit dem Taxi weiter. Also keinem echten Taxi. In Usbekistan nimmt einen quasi jeder für ein paar Som mit. Es dauert keine 5 Minuten bis ein Auto anhält und uns für umgerechnet 2€ ins Hotel fährt. Der Tag war unglaublich schön und ereignisreich und ich bin ein bisschen traurig, dass wir morgen Usbekistan bereits wieder verlassen.

Drei Nächte in Osh

Das Unwetter von gestern ist vorüber, heute Morgen scheint wieder die Sonne. Roland und Vincent kümmern sich direkt nach dem Frühstück um die Bikes. Ich hatte mit Roland abgemacht, dass er sich auch um Zicki kümmert und ich einen kleinen Office Tag einlegen darf. Und Wäsche waschen. Im Guesthouse gibt es eine Maschine, die wir nutzen dürfen. Ich wasche alles. 5 Ladungen inkl. unserer Motorrad-Kleidung.

Die Jungs kärchern die Bikes zuerst ordentlich ab, Vincent zerlegt seine GS fast komplett und Roland bringt meine Felge zur Reparatur, die wie sich herausstellt, nicht nur eine Delle sondern auch einen Riss hat, der geschweisst werden musste. Danach geht Roland mit Stas auf Teilesuche. Eine Schraube vom Gepäckträger der nineT ist abgerissen und das Metall-Gehäuse vom Scheinwerfer ist durch vibriert. Letzters kann erstmal nur geklebt werden.

Den ganzen Tag schrauben beide im Innenhof an den Bikes und führen Fachgespräche. Sie haben ihr Werkzeug auf dem Boden ausgebreitet und Vincent hat die Bose Box voll aufgedreht. Es läuft eine bunte Mischung von Tom Petty bis Five Finger Death Punch. Irgendwanm gibts auch das erste Bier. Zwei Ingenieure im Schrauber-Himmel.

Nachmittags checken zwei weitere Deutsche ein. Ein junges Pärchen, Sascha und Annabelle, die mit dem Fahrrad bis nach Australien reisen. Sie haben in Tadjikistan einen kleinen, kranken Welpen aufgesammelt und bei einem Tierarzt versorgen lassen. Und jetzt überlegen sie, ob sie die kleine Jeanny mit auf Tour nehmen oder ob sie eine Familie für sie finden sollen.

Den nächsten Tag nutzen wir für eine kleine Sightseeing Tour durch Osh. Roland möchte unbedingt auf den Basar. Wir laufen durch die Stadt am Fluss entlang und stehen auf einmal in einem Vergnügungspark, der gefühlt aus der Sowjet-Zeit stammt. Als wäre die Zeit still gestanden. Kinder fahren in alten, verrosteten Karussells und essen pinke Zuckerwatte, auf den Schiessbuden ist der junge Rambo zu sehen und dann steht da auf einmal ein echtes, altes Flugzeug von Aeroflot. Mitten im Gebüsch. Ich bin irritiert und begeistert zugleich. Wir geben uns gleich die volle Dröhnung und essen im Park zu Mittag. Lagman, Schaschlick und Salat. Es schmeckt sensationell und da die Preise anscheindend auch aus Sowjet-Zeiten sind, kostet alles zusammen keine 5€.

Auf dem Basar kaufen wir eine Bürste zur Reinigung meiner Kette und noch ein bisschen anderes Krimskrams, danach gehen wir auf den Soleiman Berg. Von hier oben hat man einen herrlichen Blick über die Stadt.

Der Teilemarkt, bei dem Roland gestern eingekauft hat, ist leider geschlossen. Wir gehen auf dem Rückweg zum Guesthouse trotzdem kurz durch die Container-Stadt. Hier gibts alles, meint Roland. Von der Schraube bis zum Autositz. Jeder Container hat sein Spezialgebiet. Wie ein riesengroßer gut sortierter Schrottplatz.

Den letzten Abend verbringen wir bei Stas mit ein paar Bier und besprechen die Route, die wir morgen fahren wollen. Unsere drei Bikes sind repariert, gewartet und bereit für viele abenteuerliche Kilometer in Kirgisistan.