Albanien, Mazedonien, Albanien

„Baby, wach auf. Guck mal, hier, guck mal, schnell!“ Ich öffne verschlafen und mit großer Mühe ein Auge und sehe zu Roland. Von außen stupst ein Pfötchen gegen die Zeltwand und Roland stupst mit dem Zeigefinger zurück. Der kleine Welpe – ich bin auf der Stelle hellwach, öffne das Zelt und sofort kommt der kleine Wauzi angerannt. Er schlüpft ins Zelt und wirbelt alles ordentlich durcheinander. Er hüpft auf Roland, versucht in den Schlafsack zu kriechen, beißt in Haare und Finger. Wir spielen ein bisschen bis er sich wieder beruhigt hat und in meinem Arm einschläft. Da es noch nicht mal 7 Uhr ist, machen auch Roland und ich die Augen nochmal zu. Ein gutes Stündchen liegen wir so zu Dritt im Zelt und ich überlege ernsthaft, ob ich den kleinen Hund irgendwie auf dem Motorrad nach Hause mitnehmen kann. Bis wir aufstehen und feststellen, dass der kleine Drecksack eine Abspannschnur von unserem sündhaft teuren Zelt durchgebissen hat. Sämtliche Hundemutter-Gefühle sind wie weggeblasen. So nicht, du bleibst hier, in den Bergen auf dieser wundervollen Farm mit den ganzen anderen Tieren. Strafe muss sein.

Unsere heutige Route führt uns in den Nordosten Albaniens und dort über die Grenze nach Mazedonien, das seit der Gründung 1991 einen Namensstreit mit Griechenland führt, da diese den Namen der kleinen Republik nicht akzeptieren wollen. Warum? Es gibt im Norden Griechenlands eine Region, die ebenfalls „Makedonien“ heißt und daher ist der Name „Makedonien“ griechischen Ursprungs. In der Republik Mazedonien leben aber Slawen. Außerdem hatten die Griechen was dagegen, wie die Flagge der neuen Republik aussah, diese wurde daraufhin 1995 geändert und zumindest dieser Streit scheint beigelegt. Der letzte Kompromiss vom Juni diesen Jahres sieht vor, dass Mazedonien ab sofort „Republik Nord-Mazedonien“ heißen soll. Hoffentlich ist das Thema damit erledigt!

Nach ein paar wunderschönen Kilometern durch die albanische Landschaft erreichen wir die kleine, vereinsamte Grenze. Unsere Pässe werden von einem gelangweilten Grenzer kontrolliert, dann dürfen wir weiter. In der „Republik Nord-Mazedonien“ ist der Herbst angekommen. Aber nicht dieser graue Schmuddelherbst, wie man ihn aus Deutschland kennt. Die Sonne lässt das bunte Herbstlaub kräftig leuchten, dazu das tiefblaue Wasser des Prespasee und Ohridsee. Es ist wundervolles Farbspektakel und wir halten oft an, um das Panorama zu genießen. Die Verbindungsstraße zwischen den beiden Seen führt über das 2.255m hohe Galicica-Gebirge, das zu einem Nationalpark (Durchfahrt kostet 5€ für zwei Bikes) gehört. Zuerst geht’s bergauf und dann in ein vielen Haarnadelkurven wieder bergab.

Zurück in Albanien fahren wir relativ schnell wieder von der Hauptstraße ab und überqueren nochmal ein paar kleinere Pässe mit ein paar Spitzkehren und kaum Verkehr, bevor wir uns in Kükes eine Unterkunft suchen. In Kükes ist nichts los, es ist ein wirklich trostloses Städtchen mit meiner Meinung nach viel zu vielen Sportwetten-Spelunken. Deswegen essen wir im Hotel und planen danach den morgigen Tag: Wir möchten um 12 Uhr die Fähre auf dem Koman-Stausee erwischen, d.h. wir müssen früh aufstehen und spätestens um 9 Uhr losfahren.

Das Ceraunische Gebirge

Wir starten mit einem großartigen Frühstück und packen dann unsere Sachen. Und das dauert. Da wir alle Klamotten durchgewaschen haben, ist es quasi wie zum 1. Mal losfahren. Alles muss in den Taschen verstaut und diese dann auf dem Bike befestigt werden. Es ist so mühsam und auch ein bisschen nervig. Um 12 fahren wir endlich los. Roland hat jetzt schon Bedenken, dass wir die heutige Etappe nicht schaffen werden.

Es geht zuerst die Küstenstraße SH8 an der albanischen Riviera entlang. Die kurvige Straße wurde vor ein paar Jahren neu ausgebaut, ein paar Haarnadelkurven führen auf den Llogara-Pass mit etwas über 1.000m. Von oben hat man einen wunderbaren Blick auf die Steilküste der Riviera. Hinter uns in dichte Wolken gehüllt, die Berge des Ceraunischen Gebirge. Das Gebirge erstreckt sich auf 100km entlang der Küste und unser Plan ist es, durch das Gebirge auf der SH75 Richtung Süden zu fahren. Also eigentlich wieder zurück zur griechischen Grenze.

Auf der Strecke durch die Berge treffen wir zufällig Armand, den Tourguide. Er ist mit einer Gruppe Mountainbikern unterwegs und die gleiche Straße auf den Pass hochgefahren wie wir eben. Respekt. Armand wundert sich, dass wir so spät los gefahren sind und meint, dass wir heute maximal bis zur Farma Sotira kommen. Das ist eine Farm in den Bergen mit Campingplatz, die auch sehr Motorradfahrer-freundlich sind. Die Farm liegt direkt an der griechischen Grenze auf der Höhe von Konitsa, wo wir vor ein paar Tagen erst waren. Und er behält Recht. Nach einer wunderschönen Fahrt durch die einsame Bergwelt erreichen wir die Farm. Wir stellen unser Zelt im Garten auf und begrüßen die Tiere hier: Den Schimmel, der neben unserem Zelt grast, Gänse, zwei hüfthohe Hunde, einen Welpen, braune, rote und schwarze Katzen und die Forellen im Teich. Eine der Forellen wird gleich bei Roland auf dem Teller landen.

Einreise nach Albanien / zwei Tage am Meer

In der Nähe von Konitsa könnte man auch nach Albanien einreisen, wir möchten aber gern die sagenhafte Bergstrecke von gestern zu Ende fahren. Nach einer einstündigen, wilden Kurvenjagd überqueren wir bei Kakavija die Grenze. Und in Albanien geht’s genauso weiter: Kurve links, Kurve rechts. Wir fahren nicht einen Meter geradeaus. Als man in Albanien Straßen gebaut hat, waren alle geraden Stücke dieser Welt bereits vergeben, vermute ich.

Albanien ist unter Motorradreisenden und Pauschaltouristen schon länger kein Geheimtipp mehr. An der Küste findet man eine Vielzahl von Hotels, Restaurants und Bars. Es gibt Sand und Kiesstrände, die wunderbar sauber sind und auch das Meer ist klar. Ich kann mir gut vorstellen, dass es im August hier proppevoll ist, aber da die Sommer-Ferienzeit glücklicherweise vorbei ist, wirkt alles etwas eingeschlafen.

Wir fahren weiter bis Himarä, einem kleinen Küstenort, wo wir uns in der Pension „Billy“ ein Zimmer nehmen. Zu der Pension gehört ein kleines Restaurant und bevor wir uns ins Meer stürzen, essen wir Pasta. Das erste Mal Pasta Napoli, die ich nicht über dem Benzinkocher selbst zubereitet habe. Was für ein Luxus und es schmeckt großartig. Da wir in der Pension außerdem unsere gesamte Schmutzwäsche waschen lassen können, beschließen wir, zwei Nächte hier zu bleiben.

Den nächsten Tag verbringen wir zuerst am Strand, wo Roland den Albaner Armand kennenlernt, der hauptsächlich Fahrrad- aber auch Motorradtouren organisiert. Er möchte uns heute Abend ein paar Routentipps geben und Roland verabredet sich mit ihm in seinem Hotel. Vorher mieten wir uns ein Kanu am Strand und rudern die Küste ab. Zwei Segelboote, Typ Weltumsegler, liegen an Bojen, zwei Jugendliche auf einem Jetski fahren hin und her, ansonsten ist hier nix los. Ein ruhiges und entspanntes Albanien.

Als Roland abends von seinem Treffen mit dem Tourguide Armand zurückkommt, strahlt er bis über beide Ohren. Wahnsinn, ich hab eine Tour für die nächsten drei Tage, die haut dich um, sagt er. Von Albanien, nach Mazedonien, wieder zurück nach Albanien bis Montenegro. Pässe, Offroad, Fjorde und Fähre. Alles dabei. Das wird großartig!

Griechischer Wein in den griechischen Bergen

Irgendwann musste meine riesen Dose Kettenspray ja leer sein, nachdem Roland mich spätestens alle 1.000 km daran erinnert, die Kette zu schmieren. Also muss ich mir heute eine neue besorgen und Roland möchte kurz beim BMW Händler vorbeischauen, da eine Befestigung vom Helmvisier ausgerissen ist und er das Visier so festkleben musste, dass es immer geschlossen ist. Was auf Dauer echt unangenehm und stickig ist.

Wir packen unsere Bikes und fahren zuerst zu einem kleinen Mopedladen direkt beim Hostel ums Eck. Es ist ein Familienbetrieb und während die Tochter im Lager nach dem Spray sucht, unterhalte ich mich mit der Mutter und ihrem Sohn. Sie haben Verwandte in Dachau und als ich ihnen erzähle, wo Roland und ich überall unterwegs waren bevor wir jetzt wieder nach München fahren, sind sie total begeistert. So sehr, dass sie mir das Kettenspray schenken.

Der Besuch beim BMW Händler ist leider weniger erfolgreich, das Ersatzteil für das Visier müsste man bestellen. Dauert ein paar Tage. Meine Idee, das Teil von einem Ausstellungsstück zu nehmen, findet der Mitarbeiter nicht gut. Dann müssten wir schon den ganzen Helm kaufen meint er. Scherzkeks. Also bleibt Rolands Visier erstmal zu.

Wir sehen uns noch ein bisschen im Showroom um, ich setze mich auf die G310GS – hoppla ist die hoch. Grad mal mit den Zehenspitzen komm ich runter. Roland dagegen passt ganz gut drauf, wie ich finde.

Wie gestern hat Roland auch heute wieder „Mautstraßen vermeiden“ ins Navi eingegeben und so fahren wir abwechselnd auf der Schnellstraße oder die kostenfreie, kleinere Umgehungsstraße. Das geht für einige Zeit so, bis Roland kurz nach Kozani einen Abzweig zu einer wunderbaren Bergstrecke entdeckt und so programmiert er kurzerhand die Route um. Auch wenn das bedeutet, dass wir einen Umweg fahren und unser Tagesziel heute nicht erreichen. Aber man muss die Kurvenfeste eben feiern, wie sie fallen. Und es lohnt sich wirklich! Die Straße 20 führt uns auf bestem Asphalt in die Berge durch eine wunderbare Landschaft. Eine Kurve folgt auf die nächste und da wir quasi alleine auf der Straße sind haben wir doppelt Spaß. Wir finden sogar Zeit für ein kleines Shooting an den blau-weißen Curbs. Roland lässt die nineT fliegen und alles, was an den Bags hängt, schleift über den Asphalt. Zum Sonnenuntergang erreichen wir das Bergdorf Konitsa nahe der albanischen Grenze und finden ein Zimmer in einer Pension etwas oberhalb mit Ausblick auf das Dorf. Zum Abendessen gibt es natürlich griechischen Salat, Bifteki und den guten Malamatina Wein.

Zurück in Europa

Gestern waren es knapp 500 km und heute wird es auch nicht weniger sein, da wir es bis nach Thessaloniki schaffen möchten. Slowtravel geht definitiv anders.

Die Fährüberfahrt von Canakkale auf den europäischen Kontinent geht zügig und kostet keine 1,50€ pro Person. Wehmütig stehe ich an Deck und blicke zurück nach Asien. Es liegen noch ein paar tausend Kilometer Reise vor uns und ich freue mich auch auf daheim. Trotzdem hätte ich nichts dagegen, wenn wir die nächste Fähre zurück nehmen und wieder Richtung Kirgisistan starten. Ernsthaft, ich würde sofort umdrehen und jeden Kilometer nochmal fahren, wenn ich das nötige Kleingeld hätte. Hab ich aber nicht und so verlassen wir die Fähre in Richtung Griechenland.

Der Grenzübergang ist schnell erledigt, der Grenzbeamte winkt uns zwar kurz  raus, aber der Mann im Auto hinter uns spricht Deutsch und Türkisch und vermittelt. Wie lange wir hier waren, und ob wir Verwandte in der Türkei haben, will er wissen. „Ein paar Tage“ und „Nein“ antworten wir und dürfen weiter. Der griechische Beamte sieht unseren deutschen Pass und winkt uns direkt durch.

Europa empfängt uns mit Mautgebühren und Benzin für 1,60 €. Die Mautgebühren umgehen wir, indem wir sofort von der Autobahn runterfahren. Aber tanken müssen wir, da gibt es keine Alternative. 49 € zahlen wir für 2 volle Tanks. Im Iran hätte uns das keine 4 € gekostet. Es ist zum Heulen.

In Thessaloniki finden wir ein günstiges Hostel direkt in der Stadt. Da es keinen sicheren Parkplatz gibt und die Managerin meint, es wird hier viel geklaut, nehmen wir alle Taschen ab und Roland sperrt unsere Bikes außerdem mit der Kette zusammen. Zum Abendessen hat Roland Fisch und ich Salat wie so oft auf der Reise – manche Dinge ändern sich eben auch in Europa nicht.

Der letzte Tag in Asien

Von Pamukkale aus nehmen wir eine kleine Straße, die uns durch Obst- und Baumwollplantagen führt. Wir hatten bereits in Usbekistan Baumwollfelder gesehen, die Pflanzen haben aber noch nicht geblüht. Die Felder hier sind dagegen quasi vollständig weiß. Und da ich Baumwolle noch nie in ihrem Ursprungszustand gesehen habe, halten wir an und gehen ins Feld. Wattig weich fühlt sich die Baumwolle an. Roland und ich nehmen jeweils eine Blüte mit nach Hause.

Wir setzen die Fahrt fort, müssen aber kurze Zeit später wieder anhalten für unser 25.000 km Foto. Wahnsinn – 25.000 km und noch liegen mindestens 3.000 km vor uns. Insgeheim hoffe ich ja, dass wir die 30.000 km schaffen. Ich würd dafür gern ein paar Umwege in Kauf nehmen.

Kurz vor Canakkale dann die Überraschung – die D555 entpuppt sich als kleine, kurvige Straße durch eine malerische Herbstlandschaft. Die Sonne lässt die gelben und roten Blätter leuchten. Außer uns ist fast niemand unterwegs und wir genießen jeden einzelnen Kilometer dieser Traumstrecke.

Der Tag war ein super schöner Abschluss unserer Asien-Reise. Ab morgen geht’s durch Griechenland, Albanien, Montenegro und den Balkan zurück nach Hause.

Sonnenuntergang in Pamukkale

Als wir morgens zum Sandstrand laufen, ist dieser bereits total überfüllt. Soweit das Auge reicht Sonnenschirme und Liegestühle. Nach gestern Abend hab ich aber auch nichts anderes erwartet. Also Augen zu und durch! Wir legen unsere Mini-Reisehandtücher in den Sand und gehen ins Meer. Trotz der vielen Menschen ist das Wasser schön sauber.

Anschließend frühstücken wir ausgiebig und besprechen die weitere Reise. Gute Freunde von Roland sind gestern Richtung Süditalien gestartet und wir überlegen kurz, ob wir von Griechenland aus nach Bari übersetzen und sie dort treffen. Dann müssten wir allerdings auf Albanien und Montenegro verzichten. Je näher wir der Heimat kommen, umso schwieriger ist es, sich für eine Route zu entscheiden. Wir möchten auf den letzten Metern auf keinen Fall etwas „falsch machen“ und die restlichen Tage perfekt ausnutzen. Aber noch bleiben uns ein paar Tage, bis wir uns entscheiden müssen.

Ab heute ist erstmal Schluss mit Küste, es geht durchs Landesinnere Richtung Canakkale, von wo aus wir übermorgen auf den europäischen Kontinent übersetzen werden. Und da es irgendwie doof ist, den ganzen Tag einfach nur zu Fahren ohne wirkliches Highlight, beschließen wir in Pamukkale zu halten. Auch wenn es hier wieder vor Touristen nur so wimmelt. Das Timing ist mal wieder perfekt, wir erreichen Pamukkale zum Sonnenuntergang. Da man seine Schuhe ausziehen muss, um die weißen Kalksinterterrassen betreten zu dürfen, laufen wir mit unserem schweren Tankrucksack in der einen und den Boots in der anderen Hand durch das Thermalwasser immer weiter nach oben, während gegenüber die Sonne untergeht. Ein bisschen umständlich ist es schon, wir schaffen es trotzdem, den Blick auf die beleuchtete Stadt zu genießen während uns das über 30° warme Wasser zwischen den Zehen durchfließt. Hat ein bisschen was von Wellness. Über 20.000 l Wasser fließen hier täglich über die Felsen und wenn man möchte, darf man sogar baden, allerdings nur in den künstlich angelegten Becken, um die eigentlichen Terrassen nicht zu zerstören.

Wir suchen uns lieber ein Hotel mit Pool und werden direkt in Pamukkale fündig, keine 5 Minuten von den Terrassen entfernt. Das Abendessen dort ist fantastisch und wir schwimmen vor dem zu Bett gehen noch eine Runde. Seit einigen Tagen fühlt sich unsere Reise deutlich mehr nach Urlaub an als Abenteuer. Aber vielleicht ist das auch ganz gut so – in 2 Wochen muss Roland wieder im Büro sein, da kann ein bisschen Erholung vorher gar nicht schaden.

Man spricht Deutsch

Es ist erst kurz nach 9 Uhr, aber trotzdem bereits sehr warm und deswegen springen wir noch vor dem Frühstück ins Meer. Und wir sind nicht die einzigen, es liegen bereits einige Menschen am Strand.

Wie immer in der Türkei ist das Frühstück ein Gedicht. Es gibt Omlett, verschiedene Käse, Oliven, Honig, Tomaten und Gurken und natürlich frisches Brot. Gut gestärkt beladen wir die Bikes. Wir möchten heute so weit wie möglich an der Küste entlang fahren, in der Hoffnung, dass es eine schöne Strecke mit viel Kurven und Meerblick wird. Und wir werden nicht enttäuscht. Die Straße verläuft bis auf ein paar Kilometer immer am Meer, zu meiner Überraschung befinden sich rechts und links Bananen-Plantagen so weit das Auge reicht. Ich wusste ehrlich gesagt nicht, dass hier Bananen angebaut werden. Immer wieder hängen sie Staudenweise in den kleinen Buden am Straßenrand. Wir halten an, ich kaufe für 3 Lira 8 kleine Bananen, die wir sofort vernaschen, so lecker sind sie.

Kurz vor 16 Uhr biegen wir von der Hauptstraße ab Richtung Meer und fahren eine kleine Serpentine durch eine Bananen-Plantage. Roland hatte im Internet von einer Bucht gelesen, die wir auch finden, aber da man vom Parkplatz aus noch 30 Minuten zu Fuß hinunterlaufen müsste, verzichten wir darauf. Nicht weil wir faul sind, sondern weil wir heute noch ein paar Kilometer machen möchten.

Wir fahren also weiter an der Küste Richtung Westen, bis es dunkel wird und wir müde. Leider passiert das in Side. Dem schlimmsten Ort in der Türkei. Am Ortseingang wimmelt es von Touristen und Taxen. Wir drehen sofort wieder um. Glücklicherweise finden wir einen kleinen Campingplatz in der Nähe der Altstadt. Wir dürfen unser Zelt direkt neben einer alten römischen Ruine aufstellen und gehen Essen in der Fußgängerzone, die direkt zum Meer führt. Hier findet man ein Restaurant neben dem anderen, dazwischen einen Supermarkt, einen mehr als seltsamen Dessous-Laden und mehrere Friseure/Schöhnheitsalons/Tattoo- und Piercingstudios – alles in einem Geschäft. Ich kann es nicht glauben, was ich hier sehe. Einer Kundin werden auf dem Gehsteig die Haare geföhnt, die andere im Laden bekommt ein Tattoo und die daneben einen neuen Haarschnitt. Und die Damen draußen warten vermutlich auf ihren Maniküre-Termin. „Roland, lass uns schnell was essen, Bier einkaufen und dann zurück auf den Campingplatz gehen. Das ist ja unfassbar hier.“ Ein Kellner fängt uns draußen an der bebilderten Speisekarte vor seinem Restaurant ab. „Wir haben auch Wiener Schnitzel.“ sagt er in perfektem Deutsch. „Nein danke, wir möchten was Lokales.“ antworten wir. Hat er auch, erwidert der Kellner. Da die Preise für einen solchen Touristenort ok sind und es eigentlich ganz nett aussieht, gehen wir rein. Was soll ich sagen… An jedem Tisch sitzen Touristen, meistens Frauen mit schlecht blondierten Kurzhaarfrisuren in viel zu engen Kleidern, die Männer tragen Halbglatze, beige Shorts, graue Socken und braune Sandalen. Im Flatscreen über der Bar läuft Dortmund gegen Frankfurt. Drei Jungs sehen sich das Spiel an, einer trägt ein Reus Trikot. Der Kellner wünscht den Gästen am Tisch neben uns, die gerade gezahlt haben, einen guten Heimflug. Sie antworten: Danke, bis nächstes Jahr. Ich bestelle einen Cocktail, um mich zu beruhigen und dann einen zweiten. Hilft aber nix. Wenigstens schmeckt das Essen gut und nach einem kurzen Stopp im Supermarkt gehen wir auf unseren Campingplatz und trinken unser Bier im Mondschein ohne Touristen mit frischem Permanent-Make-up im Gesicht.