Im Land der Yaks

Wenn man schon ein Yak hat, dann verwertet man auch alles. Es gibt Brei mit Yak Milch, frische Yak Butter und eine Art Käse.

Nach dem Frühstück fahren wir los. Abd sitzt bei Roland mit auf dem Bike, sein Neffe Adil bei Vincent. Rolands Bike ist ein Einsitzer und wir empfehlen Abd, ein Kissen mitzunehmen da er sonst nur auf dem harten Gepäckträger sitzt. Er schnappt sich ein knallrotes Plüschkissen aus unserem Zimmer und hüpft auf die nineT.

Nach 10 Minuten auf der holprigen Asphaltstraße biegen wir rechts ab und fahren durch das kirgisische Outback. Spätestens jetzt wünscht sich Abd bestimmt ein zweites Kissen unter seinem Hintern. Es geht über Wiesen und Felder, wir durchqueren mehrmals einen Fluss, ich kämpfe mich durch Matsch und Sand, dann gehts es auf Schotter steil bergauf und weiter auf einer steinigen Piste an einem Berghang entlang. Ich kann mein Glück kaum glauben. Ich erlebe das echte, wilde Kirgisistan. So etwas findet man nicht im Lonely Planet oder unter #instatravel.

Nach knapp 60 km offroad sind wir endlich am Ziel: Mitten im Nirgendwo stehen zwei Jurten und ein kleines gemauertes Haus und davor ein alter russischer Lkw. Bei den Jurten grasen Yaks, zwei Esel und zwei Pferde. Neben dem Haus ist ein Gehege mit ca. 50 Ziegen und Schafen. Um uns herum diverse 5.000er Gipfel. Was für eine Atmosphäre, was für ein Erlebnis!

Kinder und Erwachsene begrüßen uns schüchtern. Danach werden wir in einer der beiden Jurten verköstigt. Mit Cay, frisch gebackenem Brot, Kaymak und Ayran aus Yak-Milch, Tomaten-Gurken-Salat und einer sagenhaft leckeren Bratkartoffelpfanne mit Paprika und Zwiebeln. Wir sind alle sehr hungrig und hauen ordentlich rein bis alles aufgegessen ist. Die frischen Milchprodukte verfehlen ihre Wirkung nicht – ich muss sofort auf die Toilette, überlege es mit aber schnell anders als ich davor stehe. Gegen die Toilette hier oben ist die im Homestay ein Luxusbad. Schlimmer geht’s nimmer… Ich verschiebe meinen Toilettengang freiwillig und hoffe irgendwo auf dem Rückweg eine Biopause einlegen zu können.

Ich lenke mich mit Tierbabies ab. Die 3 Wochen alten Yaks sind soooo süss und flauschig aber leider auch sehr ängstlich. Sie lassen sich kaum streicheln. Aber warum sollten sie auch…

Abd fängt ein großes Yak ein und ich soll es mit ihm an den Hörnern halten, danach setzt er mich zuerst auf den Esel und dann auf ein Pferd, ich darf die unglaublich schwere Pfanne beim Brot backen halten und zuletzt auch noch eine Ziege melken. Roland und Vincent schauen zu und machen Fotos.

Es wird Zeit zurückzufahren. Wir verabschieden uns von allen und nehmen zuerst den gleichen Weg wie vorhin. Im Matsch liegen Vincent und Adil das erste Mal. Dann im Sand erneut.

In einem ausgetrockneten Flussbett lassen Roland und ich unsere Bikes laufen und irgendwie verpassen wir so die Abbiegung Richtung See. Egal. Ab jetzt geht’s freestyle weiter. Abd orientiert sich am Flusslauf. Wir müssen querfeldein fahren, über tiefe Rinnen und durchs Wasser. Vincent GS hat sich wieder Schlafen gelegt und will nicht mehr anspringen. Wir müssen ein paar Minuten warten und als sie wieder läuft, hilft Roland sie aus dem tiefen Flusskies zu schieben.

Es geht den Berg hinauf, steil und mit tiefem Sand. Roland ist längst oben, Vincent ist umgekippt und dieses Mal helfen ich ihm. Ich schiebe so fest ich kann bis sein Biest wieder festen Untergrund unter den Reifen hat. Die Luft hier oben ist so dünn, ich merke jede kleine Anstrengung sofort und japse wie ein uraltes Yak.

Oben angekommen sehe ich endlich den Karakul See. Das Wasser leuchtet smaragdgrün, dahinter die Bergkette mit den schneebedeckten Gipfeln. Die Kulisse ist mal wieder einmalig. Und noch sind wir nicht am Ziel. Wir fahren weiter immer geradeaus auf den See zu. Auf einer Anhöhe stoppt Roland. Der Kilomterzähler zeigt 14.000km, wir müssen ein Foto machen.

Auf den letzten Metern Asphalt gibt Roland nochmal kurz Gas, der Tacho zeigt 180km/h und Abd grinst über beide Ohren. Es ist das erste Mal, dass er auf einem so großen Bike fährt, meint er. Als wir am Homestay ankommen, sind wir alle geschafft aber auch glücklich über einen gelungenen Ausflug. Abd erzählt seiner Frau, dass ich ein „super biker und sportsman“ bin, was mich natürlich sehr freut. Ich bin schon ein bisschen stolz, dass es mich in Tadjikistan noch nicht ein einziges Mal geschmissen hat.

Es gibt keine Duschen im Homestay aber eine Banja – eine russische Sauna – im Haus gegenüber, die wir nutzen dürfen. Zugegeben, es ist eine sehr einfache Banja, ein gemauerter Raum mit Betonboden, kleinem Fenster und Holzbank. Ein Ofen erhitzt den Raum auf über 60°C. Auf dem Ofen steht eine große Alukanne mit heißem Wasser, daneben die gleiche Kanne mit kaltem Wasser. Unsere Kleidung haben wir im Vorraum abgelegt. In einem Eimer mischen wir die beiden Wasser, bis es die gewünschte Temperatur hat. Dann schütten wir es uns gegenseitig über den Kopf. Das ist viel unterhaltsamer als eine normale Dusche und genau richtig nach einem anstrengenden Offroad-Tag in den tajikischen Bergen.

14.000 km

Das 14.000 km Foto ist ein ganz besonderes für uns. Wir sind mit Abd und Adil auf dem Rückweg von deren Yak Herde. Abd saß bei Roland mit auf der nineT und Adil bei Vincent auf der GS. Gerade als wir eine Anhöhe hoch fahren, zeigt der Kilometerzähler 14.000 und als wir ihnen erklären, warum wir ein Foto machen, sind sie gern mit dabei! So enstand unser absolutes Lieblingsfoto bisher.

4.655m – der Ak Baytal Pass

Heute ist es soweit. Wir werden den höchsten Punkt des Pamir Highway befahren, den Ak Baytal Pass auf 4.655m. Unser heutiges finales Ziel aber ist der Karakul See ca. 60 km nach dem Pass. Dort möchten wir zelten bevor wir übermorgen über die Grenze nach Kirgisistan einreisen.

Beim Aufpacken sieht Roland, dass Zickis Vorderrad-Felge wieder einen Schlag hat. An der gleichen Stelle, die Aziz in Dushanbe repariert hatte. So ein Mist. Ich rede mit Tahir von der Rezeption, der übrigens perfekt deutsch spricht. Er telefoniert mit Aziz und erhält einen Kontakt in Osh. Stas führt „Zukohovs Guesthouse“ und ist Mechaniker. Er kann mir helfen. Wunderbar. Zwei Fliegen mit einer Klappe. Felgen-Reparatur und Übernachtung.

Nach dem Frühstück fahren wir tanken. Wie so oft gibt es keinen vernünftigen Zapfhahn, der Tankwart füllt aus einem Tankwagen mit einem 4l Kanister angeblich 92er Benzin ab und betankt damit unsere Bikes. Das dauert, denn alle drei Bikes sind komplett leer, Roland und ich füllen zudem unsere Ersatzkanister und Vincent hat einen 30l Adventure Tank. Der Tankwart lächelt und sagt „Fantastic“. Er macht vermutlich gerade seinen Tagesumsatz mit uns.

Anschließend fahren wir zum Basar gegenüber und kaufen Vorräte und Wasser ein. Wir sind keine 200km von Kirgisistan entfernt, daher leben hier in Murghab sehr viele Kirgisien – gut erkennbar an den typischen Hüten genannt Kalpak.

Wir starten los. Roland fährt voraus, ich als zweite und Vincent am Schluss. Wir verlassen Murghab und fahren in die Einsamkeit. Hier ist nichts. Kein Haus, kein Mensch, kein Baum, kein Tier. Nur wir drei und die Berge. Um einen Berg ist ein Zaun, sage ich zu Roland. Komisch. Dann fährt Vincent neben mir und schreit aufgeregt rüber. „Das ist Schieeenaaa.“ und deutet Richtung Zaun. Hä? Wirklich? Ich weiss, dass wir nahe der chinesischen Grenze sind aber SO nah? Ich halte an, möchte ein Foto machen. Vincent hat ebenfalls hinter mir gestoppt und läuft mit seiner Kamera und Selfistick Richtung Grenzzaun.

Roland fragt mich, was los ist. Ich: „Vincent macht ein Foto am Zaun. Oha,  jetzt macht er ein Foto in China. Er ist eben durch ein Loch im Zaun geschlüpft. Vincent ist in China!“

Roland kommt zurück und wir gehen zum Zaun. Vincent hat die größte Freude, ein Selfie nach dem anderen zu knipsen. Wir bleiben lieber auf der tadjikischen Seite. Zu groß ist die Angst, dass gleich chinesische Elitesoldaten aus ihren Erdlöchern springen und uns festnehmen.

Wir fahren weiter und keine 30 Minuten später haben wir den Ak Baytal Pass erreicht. Ich stehe mit Zicki auf 4.655m. Das ging schnell. Das hatte ich mir irgendwie spektakulärer vorgestellt. Mh. Ich hab vergessen, dass Murghab bereits auf 3.600m liegt. Da fehlte natürlich nicht mehr viel bis zum Pass. Nun gut, wenn man die letzten Tage und Höhenmeter zusammen nimmt, haben wir ohnehin eine ordentliche Leistung hingelegt und wir können froh sein, dass keiner von uns beiden Höhenkrank geworden ist.

Es ist kalt hier oben und nach ein paar Fotos fahren wir weiter Richtung Karakul See. Auch dort ist kälter als gedacht, der See liegt auf 4.000m und es hat gerademal 9 Grad. Irgendwie ist mir nicht nach Zelten. Wir besprechen uns kurz mit Vincent und beschließen ein Homestay im Ort Karakul zu suchen. Karakul wirkt trostlos und verlassen auf uns. Am Ortseingang stehen kaputte und herunter gekommene Lehmhäuser. Kein Mensch ist zu sehen. Nicht gerade einladend. Roland sieht ein Schild am Straßenrand „Cheps Homestay“ und wir fahren dorthin. Vor dem Haus stehen zwei Jeeps. Drei deutsche Mädels, die ich kurz im Pamir Hotel gesehen hatte, haben hier ebenfalls eingecheckt zusammen mit ihrem Guide und Fahrer.

Der Besitzer Abd führt das Homestay mit seiner hochschwangeren Frau. Sie bekommt im September das 4. Kind – nach 3 Töchtern wird es jetzt ein Sohn sein.

Wir beziehen das letzte freie Zimmer. Es ist groß und mit schönen, bunten Teppichen ausgelegt. Die Tür- und Fensterrahmen sind blau gestrichen. In einer Nische steht ein gusseiserner Ofen, in einer anderen Nische ein Fernseher, darunter ein Receiver. Aha. Strom haben sie hier also, vermutlich von einem Diesel-Generator wie überall. Unser Zimmer ist das Durchgangszimmer zu den Mädels, was uns aber nicht weiter stört. Uns gefällt das Homestay und wir fühlen uns sofort wohl. Auch wenn es keine Dusche gibt und die Außentoilette eine Herausforderung ist. Wie gut, dass ich jahrelang Pfadfinder war, ich saß schon auf vielen Donnerbalken also werde ich das hier auch überleben.

Nachdem wir ausgepackt haben, gibt es Abendessen. Plov. Reis mit Gemüse und Fleisch. Ich dachte Plov ist das usbekische Nationalgericht. Scheinbar gibt es das auch hier. Es schmeckt gut, auch in meiner vegetarischen Variante. Dazu servieren sie Cay und frisches Brot mit Kaymak: Selbsgemachte Yak-Butter. So lecker.

Nach dem Essen schlägt uns Abd vor, dass wir morgen einen Ausflug zu seiner Yak-Herde machen. Wie wollen eigentlich früh nach Osh fahren, mein Reifen verliert Luft und ich möchte ihn nicht unnötig strapazieren und vielleicht sogar mit einem Platten liegen bleiben. Aber wenn wirklich was passiert, haben wie einen Local dabei, der uns helfen kann. Also sagen wir ja, warum nicht. Osh kann warten.

Abd und seine Frau räumen ab und bereiten unser Nachtlager vor. Sie haben den kleinem Tisch, an dem wir eben gegessen habe, zur Seite gestellt und legen den Boden mit dünnen und bunten Matratzen aus. Seine Frau habe sie genäht meint Abd. Auderdem erhält jeder Bettzeug. Ich lege trotzdem meinen Schlafsack bereit, da mir etwas kalt ist.

Es ist inzwischen nach 22 Uhr, die Generatoren laufen nicht mehr und der kleine hässliche Ort Karakul ist dunkel und still. Jetzt kann der Nachthimmel leuchten. Wir putzen Zähne am Waschbecken vor dem Haus und sehen uns dabei die unzähligen Sterne an. Großer Wagen und Milchstraße sind ganz deutlich zu erkennen und Millionen weiterer Sterne. Es ist unfassbar schön und wieder einmal bin ich sehr dankbar, dass ich so eine tolle Reise machen und so viel Wunderbares erleben kann.

Tag 5 am Pamir – bis nach Murghab

Ich stehe auf und komme erst mal gar nicht dazu, die atemberaubende Aussicht zu genießen. Ich muss schnell und dringend ein stilles Örtchen finden. Es rumort ganz ordentlich in meinem Magen. Fünf, sechs Mal verschwinde ich hinter einer Düne. Ist das Wasser oder die Glutamat-Pampe von gestern Schuld? Egal. Es ist nicht schön, ich leide.

Roland und Vincent frühstücken, ich belasse es bei einer Tasse schwarzem Tee und kann endlich das Panorama auf mich wirken lassen. Da es gestern bereits dunkel war, als wir ankamen, sehe ich die hohen Berge erst jetzt. Wir befinden uns direkt am Eingang des Wakhan Valley, das größtenteils zu Afghanistan gehört und an dieser Stelle so schmal ist, dass man sogar die 7.000er Pakistans sehen kann. Eine riesige nicht enden wollende Bergkette, mit hohen schneebedeckten Gipfeln. Der Hindukusch. Es ist gigantisch.

Gerade als wir fertig mit Frühstück sind, kommt ein Tadjike auf uns zu. Die Männer begrüßen sich, ich beobachte die Szenerie. Der Tadjike tippt etwas in sein Handy und zeigt es Roland. Roland sagt: „Wow 70 sheep here.“ und nickt anerkennend. Ich korrigiere: „Roland, er will 70 Som von uns. Für das Zelten auf seiner Weide.“ Sowas hätte ich hier niemals erwartet. Aber da wir alle zu müde sind für Diskussionen, geben wir ihm das Geld und er verschwindet wieder.

Kurz drauf treibt ein Teenager seinen Gemischtwarenladen an uns vorbei: Schafe, Ziegen, junge Kälbchen und ein Esel. Insgesamt ca. 20 Tiere, die nun ein Stück von uns entfernt grasen. Der Teenager trägt Jeans, Nike Turnschuhe und hört über seine Kopfhörer bestimmt keine tadjikische Volksmusik. Willkommen am wilden Ende der Welt.

Unser Ziel für heute ist Murghab. Wir fahren das Wakhan Valley entlang – ein landschaftliches Highlight auf dem Pamir Highway. Immer wieder stoppen wir für Fotos. Mein Magen hat sich nach wie vor nicht beruhigt aber beim Fahren bin ich zu konzentriert, um daran zu denken. Nur wenn wir anhalten, muss ich schnell hinter einem Busch verschwinden.

Seit wir in Dushanbe losgefahren sind, haben wir außer den Belgiern und Vincent keine weiteren Biker gesehen. Heute Nachmittag treffen wir auf eine Gruppe von fünf oder sechs Bikern auf kleinen 250ern. Offensichtlich Touristen, sie tragen Motorrad-Kleidung von BMW oder Touratech. Es sind Tagesausflügler ohne Gepäck, wir zählen sie daher nicht zu unseren Begegnungen mit echten Motorrad-Reisenden.

Als wir das Wakhan Valley verlassen, wird aus der Schotterpiste wieder eine Asphalt Straße. Ein bisschen freuen wir uns darüber, mal wieder schneller als 30km/h fahren zu können. Nicht nur die Straße verändert sich, sondern auch die Landschaft. Die Abendsonne lässt die roten Berge um uns herum glühen. Es erinnert ein bisschen an den Grand Canyon. Oder den Mars. Auf jeden Fall ist es anders als alles, was wir bisher gesehen haben.

Kurz vor Murghab passieren wir einen Pamir-Checkpoint. Hier treffen wir auf den esten Europäer. Einen Spanier auf einer 1150 GS, den wir kurz darauf auch im Pamir Hotel wieder sehen. Ihn und zwei Koreaner, die unterwegs auf einer 1200er GS und einer 700GS sind. Die beiden Koreaner fahren bis nach Portugal und zeigen uns beim Abendessen ganz aufgeregt Bilder aus der Mongolei. Es war ziemlich matschig dort, sie sind immer wieder gestürzt und das ständige Aufheben der schweren BMWs war wohl ganz schön anstrgend. Sie machen sich Sorgen, dass es auf der weiteren Strecke ähnlich ist. Wir können sie beruhigen, wir hatten keinen Matsch – nur sehr sehr viele Steine und Schotter.

Roland und ich haben uns im Pamir Hotel ein Doppelzimmer genommen, für 40$ nicht günstig aber ich hatte das Bedürfnis nach einem eigenen Badezimmer. Vincent hat für 5$ einen Schlafplatz in der Jurte vor dem Hotel bekommen. Das Abendessen ist super lecker. Ich esse Reis mit Gemüse, Roland Manti-Suppe und danach Fleisch mit Kartoffeln.

Wir sind keine 10 Minuten zurück im Zimmer, da geht das Licht aus und wir hören auch keinen Generator mehr. Oha. Um 22 Uhr ist hier also der Strom weg. Gut dass wir wenigstens unsere Helm-Kommunikation geladen hatten.

Bonjour Vincent!

Wir genießen ein spätes und ausgedehntes Frühstück Deluxe. Espresso, Brot, Marmelade (noch aus dem Iran), Käse, Joghurt, Orangensaft.

Gestern Nacht war es frisch, aber jetzt um 10 Uhr scheint die Sonne bereits ziemlich stark, da wir uns auf ca. 2.000m befinden. Ich ziehe meinen Bikini an und mache den Abwasch im Fluss (mit der super biologischen absolut schadstofffreien Travelseife). Ich bin ruckzuck fertig, da das Wasser unglaublich kalt ist – geschätzt keine 5 Grad und meine Hände und Füße sofort rot werden. Apropos. Zeit für ein bisschen Pflege. Ich setze mich in den Campingstuhl für eine ausgiebige Maniküre und Pediküre. Roland duscht sich währenddessen und fängt an, seine Sachen zu packen. Wie so oft drängt er darauf, weiterzufahren während ich nichts dagegen hätte, noch einen Tag länger zu bleiben. Er gewinnt wie immer die Diskussion. Ich dusche mich und packe ebenfalls zusammen.

Da fahren auf einmal die beiden Belgier Michelle und Cecile mit ihren GS in Vollausstattung vorbei. Ich muss jedes mal schmunzeln, wenn ich sie auf ihren Expeditions-Bikes sehe.

Wir winken, sie sehen uns und halten an. Sie waren bei den Hot Springs und fahren jetzt zu den anderen Quellen „Bibi Fatima“. Unser Weg führt ebenfalls dort entlang und so sind wir uns sicher, dass wir uns in Kürze wieder sehen werden. Was auch ein paar Stunden später der Fall ist. An einer Tankstelle treffen wir nicht nur dir beiden sondern auch Vincent aus Frankreich, mit dem wir am Gas Krater in Turkmenistan kurz gesprochen hatten. Nach einer kurzen Unterhaltung fahren Roland und ich weiter.

Unsere Wasservorräte gehen langsam zu Ende und ich halte nach einem Shop Ausschau. In einem Dorf entdecke ich einen Brunnen, wie es viele hier auf dem Pamir Highway gibt. Die Häuser haben keinen Wasseranschluss und die Menschen versorgen sich über diese Brunnen mit Trinkwasser. Also machen wir das auch, wir füllen unsere Bags und Flaschen. Roland verwendet Micropur, ich nicht da ich den Chlorgeschmack nicht mag. Ob das eine gute Idee war…

Die heutige Etappe verläuft hauptsächlich auf Asphalt, wir durchfahren mehrere Ortschaften und immer wieder „greifen“ uns Hunde aus dem Hinterhalt an. Ich erschrecke zu Tode, wenn sie bellend auf mich zulaufen und beschleunige so schnell es die Straße zulässt, um ihnen davon zu fahren. Roland meint, die wollen nur spielen und ich sei der Ball. Nettes Kompliment.

Wir haben inzwischen eine Taktik entwickelt, um sie zu verwirren. Da sie immer den letzten Fahrer „angreifen“ (den letzten beissen eben die Hunde…) fährt der Hintere von uns überraschend neben den ersten und aus dem Sichtfeld des Hundes. Dann bleiben sie meist aprubt und perplex stehen.

Am Spätnachmittag sehe ich Vincent im Rückspiegel und als wir alle drei anhalten um einzukaufen, beschließen wir zusammen weiterzufahren und einen Platz zum Zelten zu suchen. Wir fahren noch ein paar Kilometer auf Schotter und dann durch ein paar Sandbänke. Hier liegt Vincent das erste Mal. Roland hilft ihm, seine schwere 1150 GS Adventure aufzuheben.

Es ist dunkel, als wir auf einer großen Wiese unsere Zelte aufbauen. Im Scheinwerferlicht sehe ich jede Menge Tiermist, aber ich bin zu kaputt, um zu protestieren. Ich schieße den gröbsten Dreck mit dem Stiefel auf die Seite, bevor wir unsere Plane für das Zelt ausbreiten.

Ausnahmsweise gibt es heute bei uns Chinesische Packerlsuppe. Vincent isst Pasta. Sehr sympathisch. Er spricht sehr gut deutsch, erzählt von Afghanistan und zeigt uns Bilder aus einer ganz anderen Welt. Die Menschen keine 100m Luftlinie entfernt sehen total anders aus als Tadjiken, viel dunkler, mit pechschwarzen Haaren. Und sie tragen eine Art Turban. Es gibt kein Fernsehen und Internet – zumindest im Grenzgebiet wo er unterwegs war. Und auch Frankreich kannten die Menschen nicht, die er getroffen hatte. Die Straßen waren noch schlechter als hier, er hat sein Bike des öfteren hingelegt. Kein Wunder! Die Adventure ist für seine 1,70m eigentlich zu hoch. Das glaubt er manchmal auch, sagt er. Aber er liebt sie halt so.

Vincent ist 57 und hat drei erwachsene Söhne. Er ist in den letzten Jahren viel mit der GS gereist, war in Marokko und Algerien, Türkei und Iran. Am 1. Juli ist er zu seiner jetzigen Reise aufgebrochen und Ende August muss er wieder daheim sein. Er macht die gleiche Route wie wir in nur 2 Monaten.

Was wir zu diesem Zeitpunkt noch nicht wissen: Die folgenden 11 Tage werden wir gemeinsam reisen.

Tag 3 am Pamir

Ich wache auf, weil ich Stimmen höre. Ein Blick aufs Handy. Es ist 7 Uhr. Draußen unterhalten sich mehrere Frauen. Ich öffne das Zelt einen Spalt und sehe drei, nein vier Frauen unter den Bäumen am Boden knien. Sie tragen geblümte Kleider und ein buntes Kopftuch. Neben ihnen am Boden steht jeweils ein Metall-Eimer. Sie sammeln diese weißen Früchte, die ich gestern probiert habe. Oh oh. Wir zelten auf ihrer Ernte.

Ich wecke Roland auf, erzähle ihm was ich gesehen habe. Ihm ist es egal aber ich habe das Gefühl, dass wir die Frauen hier bei der Arbeit stören. Irgendwie fühle ich mich gerade etwas unwohl. Außerdem… Wie sollen wir duschen, wenn sie hier sind?

Als um 8 Uhr der Wecker klingelt, wagen wir uns aus dem Zelt. Die Frauen sind natürlich noch da. Ich mache erstmal Kaffee und wir beschließen abzuwarten, bis sie fertig sind. Wir haben ja keinen Zeitdruck. Als wir gerade unser Frühstück essen (Kekse und das frische Obst), bringt uns eine der vier Frauen ein Stück Brot. Sie fragt: Country? Und wir antworten: Germania. „Oh“ sagt sie, „Michael Schumacher“. Damit habe ich nun wirklich nicht gerechnet. Von Merkel bis Matthäus war schon alles dabei – aber noch nie Schumacher. Und dann ergänzt sie: „Invalid.“ Ja, leider nicke ich. Sie erzählt uns noch, dass die Frucht, die sie sammeln „Tut“ auf tadjikisch heißt – den russischen Namen hab ich vergessen – und dass daraus in der Fabrik Marmelade gemacht wird. (Wie gut man sich doch unterhalten kann, auch wenn man die Sprache des anderen nicht spricht).

Nach einer guten Stunde sind sie tatsächlich fertig, verabschieden sich und gehen mit ihrer Ernte davon. Endlich können wir duschen. Roland fängt an und stellt sich in Badehose unter den Ortlieb Wassersack mit Duschaufsatz (keine Werbung, ich werde hierfür nicht bezahlt. Ich liebe ihn auch so.). Ich hatte extra Travelseife gekauft, die man für alles verwenden kann: Haare und Körper, Wäsche waschen, Zähne putzen, Geschirr abwaschen etc. und eben auch in Flüssen, Seen und Salzwasser. Also auch unter einem Obstbaum, hoffe ich.

Das Wasser reicht genau für uns beide, mit dem zweiten Sack spülen wir unser Frühstücksgeschirr ab und füllen unsere Camelbaks. Dann packen wir unsere Bikes und fahren los.

Nach gut 100 km sind wir in Khorog. Keine schöne Stadt, sie ist laut und voll, es gibt einen „Khorog Fried Chicken“ und viel zu viele Menschen. Es gefällt uns gar nicht, und so kaufen wir hier nur in einem erschreckend gut sortierten Supermarkt ein (es gibt sogar Löwenbräu Bier!!) und fahren weiter in Richtung „Hot Springs“. Der Weg führt von der Hauptstraße hoch in die Berge. Auf einer Offroad Piste fahren wir an einem klaren und breiten Gebirgsfluss entlang. Rechts und links von uns Berge, die von der untergehenden Sonne angestrahlt werden. Das Panorma ist großartig. Fast wie in Tirol meint Roland. Ich entdecke eine Stelle am Fluss mit ein paar Bäumen, etwas entfernt von der Straße. Wir haben unseren Platz für heute Nacht gefunden und lassen die Hot Springs sausen.

Der Fluss ist eiseiseiskalt. Perfekt um unsere Getränke zu kühlen. Wie gestern füllt Roland unseren Duschsack und hängt ihn an den Baum. Zum Abendessen gibt es wieder Spaghetti mit Tomatensauce. Also eigentlich essen wir jedes Mal Pasta, wenn wir campen. Geht schnell, man braucht wenig Geschirr und ich muss nur ein Gericht kochen, das wir beide essen, da ich ja Vegetarierin bin. Roland besteht lediglich darauf, dass die Sauce gut gewürzt ist und so kaufe ich jedes Mal eine frische Zwiebel oder Knoblauch. Chili-Flocken, Oregano und Salz/Pfeffer hab ich auf Reisen sowieso immer dabei. Wir sind Abenteurer aber keine Asketen.

Unter den Obstbäumen

Wir verlassen Kalaihkum und gelangen kurz darauf an den Fluss Pyandzh, der die Grenze zwischen Afghanistan und Tadjikistan bildet und uns die nächsten 500 km begleiten wird.

Die Piste führt meist direkt am Ufer entlang, ab und zu bewegen wir uns etwas bergauf vom Fluss weg und haben so einen tollen Panoramablick auf das Tal und den Flusslauf. Das Wasser hat durch den Sand eine grau-braune Färbung und hin wieder säumen statt schroffen Felsen breite Sandbänke das Ufer, auf denen sich Tiere – meist Kühe – tummeln. Das Pendant zu den Schweinen in der Karibik. Irgendwie.

Auf der anderen Seite zum Greifen nah liegt Afghanistan. Genau wie auf unserer Seite führt auch dort eine schmale Piste am Fluss entlang, hin und wieder fährt ein Auto oder Moped parallel zu uns. Wir sehen kleine Dörfer: Halb fertige, braune Häuser, meist steht ein Moped davor und ein paar Hühner laufen hin und her. Kinder spielen auf einem großen Felsen direkt am Wasser und einmal winken sich Roland und ein paar Männer am Wasser zu.

Auf unserer Seite patrouillieren immer wieder kleine Gruppen junger tadjikischer Soldaten. Sie wirken müde und gelangweilt aber grüßen uns immer sehr freundlich mit einem Lächeln und Winken. Wir vermuten, dass sie verstärkt an Stellen unterwegs sind, an denen der Fluss nur ein paar wenige Meter breit ist. Und das ist oft der Fall.

Zu Beginn ist die Landschaft sehr felsig und grau und wir sehen keine Häuser und Menschen, nur ein paar Lkw kommen uns entgegen. Erst nach ein paar Stunden durchfahren wir die ersten kleinen Dörfer, die wie grüne Oasen wirken. Große Bäume stehen entlang der Piste, dahinter öffnen sich weite Wiesen und Felder.

In einem Feld stehen zwei Männer und winken. Der Fluss ist ganz ruhig geworden, er ist spiegelglatt und fliesst leise vor sich hin.

Ich halte an. Hier möchte ich campen. Es ist erst kurz nach 4 und wir sind auch noch nicht weit gekommen, aber hier gefällt es mir. Ich erzähle Roland von meinem Plan und fahre ein Stück zurück, frage die Männer, ob man hier campen darf (Ich bilde ein Zelt mit den Händen und sage „camping?“). Der ältere von beiden nickt sofort freundlich und zeigt nach oben rechts. Genau dort wollte ich hin. Zwischen die großen Obstbäume.

Wir stellen unsere Bikes unter den letzten Baum, ein Stück weg von der Straße. Unser Zelt bauen wir daneben auf. Dann entdecke ich am Rand einen kleinen Bach, Roland füllt unsere beiden Wassersäcke und befestigt sie unter einem Baum. Das wird morgen unsere Dusche sein. Zum Glück hat er das sofort gemacht, denn keine halbe Stunde später fließt hier kein Wasser mehr. Der Bach ist künstlich angelegt und wird, so vermuten wir, zur Bewässerung der Bäume und Felder genutzt.

Die Obstbäume tragen Aprikosen und eine andere Frucht, die ich noch nie gesehen habe. Sie ist weiß und hat die Form einer Brombeere, nur etwas länglicher. Ich pflücke eine und probiere sie. Schmeckt süßlich. Lecker. Ich sammle ein paar Aprikosen vom Boden auf und einiges von der anderen Frucht für unser Frühstück morgen.

Wir haben den perfekten Platz gefunden. Die Bäume spenden Schatten und sind ein Sichtschutz, wir haben frisches Obst und Wasser. Ich setze mich zufrieden auf meinen Campingstuhl und schaue über den Fluss nach Afghanistan.

Das Pamir Abenteuer beginnt!

Wir verabschieden uns mittags von Aziz und starten unsere Reise auf dem Pamir Highway, der von Dushanbe bis nach Osh in Kirgistan verläuft und ca. 1.200 km lang ist. Seine höchste Erhebung ist der Ak Baytal Pass mit 4.655m kurz vor dem Karakol-See. Der Pamir Highway ist die zweithöchste befahrbare Pass-Straße der Welt, weiter rauf geht es nur am Karakorum Highway in Pakistan. Mein eigentlicher Plan war es, genau dorthin zu fahren. Ich hatte in der Vorbereitung auf unserer Reise immer wieder eine neue Routenplanung erstellt, aber nie ging es sich zeitlich aus. Anfangs war ich enttäuscht, aber mittlerweile habe ich mich damit abgefunden „nur“ die Nummer 2 zu fahren. Man kann eben nicht alles auf einmal haben, wenn die Zeit begrenzt ist.

Die erste Etappe führt von Dushanbe nach Kaleikhum. 270km sind es insgesamt, 160 davon offroad. Noch ist es warm, knapp 30°C und auch ein bisschen bewölkt, nicht alle umliegenden Berggipfel sind sichtbar. Die Landschaft ist trotzdem atemberaubend schön und wechselt von schroffen Felsen zu begrünten Hängen. Zuerst fahren wir auf Asphalt, nach etwas über 100km auf losem Schotter. Immer wieder umfahren wir im Slalom tiefe Schlaglöcher. Ab und zu kommen uns 40-Tonner plus Anhänger entgegen. Die meisten kommen aus China. Böse Zungen nennen den Pamir Highway auch Plastic Road. Mit dem Motorrad ist die Straße ein Abenteuer, mit dem Lkw für mich totaler Wahnsinn. An manchen Stellen ist die Piste so schmal, dass ich auf die linke Spur wechsle, weil es rechts unfassbar tief bergab geht. Die Lkw Fahrer müssen extrem mutig und schwindelfrei sein, ihr Fahrzeug durch solche engen Passagen zu manövrieren. Offensichtlich haben sie auch Respekt vor uns, denn alle winken uns aus ihrem Fahrerhaus zu. Apropos Respekt: Wir überholen ein paar Radler und Roland und ich sind uns einig: Wer den Pamir Highway mit dem Fahrrad fährt, ist der wahre Held.

Auf halber Strecke haben wir 13.000km seit unserer Abreise Anfang Juni geschafft und machen unser obligatorisches Beweisfoto.

In Kürze wird die Sonne untergehen und es ist klar, dass wir mal wieder im Dunkeln fahren werden, da wir noch lange nicht am Ziel sind. Da die Birne von meinem Abblendlicht zum 3. Mal durchgebrannt ist und ich nur Fernlicht habe, fahre ich voraus. Eine Serpentinenstraße halb Asphalt halb Schotter schlängelt sich den Berg nach unten und wir gelangen an den Fluss Obikhumbou der in den Pyandzh Fluss mündet, den Grenzfluss zwischen Tadjikistan und Afghanistan. Wirklich sehen kann ich den Fluss nicht im Dunklen, aber hören, so stark rauscht er.

Kurz vor Kaleikhum ist nochmal eine Pass- und Permit-Kontrolle. Für alle anderen Reisenden ein Hinweis: Um den Pamir zu fahren muss man beim Visum „GBAO Permit“ auswählen – kostet nichts extra aber nur so darf man hier fahren.

Im Ort angekommen werden wir gleich vom Besitzer des Hostels abgefangen, das uns Aziz genannt hatte. Er scheint auf uns gewartet zu haben. Wir parken unsere Bikes umständlich rückwärts in dem schmalen Eingang seines Hostels aber wenigstens stehen sie so sicher. Zum Abendessen gibt es eine kräftige und gut gewürzte Rindersuppe mit Gemüse und Kartoffeln, dazu Brot, Salat und Obst. Roland hat noch schnell Bier gekauft (1,5l Plastikflasche) und wieder mal sitzen wir geschafft aber auch glücklich über einen wunderschönen ersten Fahrtag am Pamir an unserem Tisch und lassen den Tag Revue passieren.

Felgen-Reparatur auf tadjikisch

Nach dem Frühstück fahren wir zum Bike House, das 500m entfernt von unserem Hostel liegt. Aziz, der Mechaniker mit dem wir geschrieben hatten, bearbeitet gerade eine Felge – die zu einer 1200 GS gehört. Die Belgier sind hier. Genau wie ich hat auch Michelle einen Schlag in seiner Felge – Speiche wohlgemerkt.

Nach einer Stunde ist meine Felge dran. Aziz demontiert den Reifen, dann holt er einen uralten Bunsenbrenner heraus und zündet ihn an. Er hält die Flamme direkt an die erste Stelle mit dem Schlag. Abenteuerliche Methode, aber ich habe keine andere Wahl. Ich muss Aziz vertrauen. Nachdem er die Felge ausreichend erhitzt hat, holt er Hammer und ein Hartgummistück und bearbeitet die Stelle so lange, bis die Felge wieder normal aussieht. Das gleiche macht er mit dem kleineren Schlag. Roland hilft ihm und hält die Felge dabei fest. Nach 20 Minuten sind sie fertig und die Felge fast ganz gerade. Zum Schluss ein bisschen Sprühlack drauf und der Reifen wird wieder montiert, aufgepumpt und das Rad eingebaut. 100 Somoni macht die Reparatur, keine 10€. Ich bin erleichtert und froh, dass ich die Reise fortsetzen kann.

Aziz ist nicht nur Mechaniker, er organisiert auch Touren auf dem Pamir Highway und gibt uns viele Tipps zur Route, welche Etappen man an einem Tag schafft, welche Teilstrecken schwierig sind und wo man am besten übernachtet. Wir verabreden uns für heute Abend zum Essen, dann fahren Roland und ich ins Hostel. Da ich auf dem Pamir Highway viel campen möchte und es auch untertags unter 10°C werden kann, packe ich meine Taschen um. Warme Sachen nach oben und Camping Ausrüstung griffbereit. Außerdem bekomme ich meine Tadjikische SIM Karte von MegaFon für 10$. Interessanterweise haben die Karten hier unzählige Freiminuten und 3GB Datenvolumen – wobei die Messenger wie Whatsapp und Facebook frei sind und kein Datenvolumen verbrauchen. Ich bin im Internet-Himmel.

Aziz holt Roland, Philippe und mich um 20 Uhr mit dem Taxi ab und wir fahren in die „Bundes-Bar“. Auf dem Logo der Bar ist der österreichische Bundesadler und es gibt Schnitzel und Pasta. Nach fast 13.000 km Fahrt sind wir der (quasi) Heimat immer noch nicht entkommen. Wenigstens schmeckt das Bier nicht so gut wie daheim, Bierbrauen können halt doch nur die Bayern.