Wir sind in der Türkei!

Die Vermieterin überrascht uns mit Nutella-Pancakes und Kaffee zum Frühstück, das wir auf der schönen Terrasse mit Blick auf unsere Mopeds genießen.

Beim Aufpacken spricht uns der bulgarische Nachbar an. Er ist um die 50, braungebrannt, hat eine verblasste Tätowierung am Oberarm, ist nur mit einer Badehose bekleidet und eine Zigarette steckt locker in seinem Mund. Good morning Kollega, sagt er zu uns beiden, I also ride motorcycle. But Chopper, und zeigt auf seine Kawasaki Vulcan. Nice, antworten wir beide höflich. Er will wissen, wo wir hinfahren. Istanbul! Er rät uns, über Burgas zu fahren, ist zwar ein kleiner Umweg, aber die direkt Straße zur türkischen Grenze ist in einem schlechten Zustand. Roland und ich schauen uns an und wir denken beide das gleiche: Yes, das ist unsere Straße!

Die schlechte Straße entpuppt sich als wunderschöne und kaum befahrene, eineinhalb spurige Landstraße, die sich in unzähligen Kurven durch kleine Dörfer und Wälder windet. Wie in Rumänien nisten auch hier viele Storche auf Strommasten und kümmern sich liebevoll um ihre Jungen. Am Ende eines Dorfes steht ein verlassenes, heruntergekommenes Haus, das inzwischen von Pferden bewohnt wird.

Nach 85km stehen wir vor der türkischen Grenze. Inzwischen hat es über 30°C und es gibt keinen Schatten. Es dauert eine Stunde, bis wir durch die Ausweis-Kontrolle und den Zoll sind. Wir müssen die Grüne Karte vorzeigen, die Bikes werden registriert, aber durchsucht wird nichts.

Hinter der Grenze ändert sich die Landschaft schlagartig. Als ob man der Natur gesagt hat: Hier ist jetzt die Türkei, bitte keinen Wald mehr. Wir möchten Steine und Felsen. Wir fahren auf der E87, einer breiten Straße weiter bis Silivri, dort haben wir ein Hotel gebucht.

Zugegeben, bislang fühlt es sich noch nicht wie ein Abenteuer an sondern eher wie ein normaler Motorrad-Urlaub. Momentan sind wir noch auf WLAN angewiesen, um unsere Planungsrückstände aufzuholen. Und gegen ein richtiges Bett und Frühstücks-Buffet haben wir auch nichts.

Beim Abendessen planen wir die Route für die nächsten Tage. Wir wollen an der Schwarzmeerküste bis Trabzon, dann über Erzincan nach Malatya, weiter nach Tatvan und dort auf den Nemrut Dagi, einen 3.000m hohen Vulkan fahren.

Fahren, fahren, fahren.

Genau wie gestern wollen wir auch heute knapp 500km schaffen und bis zur bulgarischen Schwarzmeerküste fahren. An der Grenze müssen wir nur kurz warten, keine 20 Minuten. Eine leichte Übung, wenn man bedenkt, was uns in den nächsten Ländern erwarten wird. Der Grenzübertritt zwischen Iran und Turkmenistan kann mehrere Stunden benötigen und das nicht bei 30°C sondern 45°C. Aber zurück zu Bulgarien. Bulgarien überrascht uns mit hervorragenden Straßen und einer unglaublich schönen, weiten Landschaft mit großen Wein- und Getreidefeldern.

Die Temperatur ist mit Fahrtwind erträglich und so können wir viel Strecke machen. Wir halten zweimal zum Tanken an, sonst gönnen wir uns keine großen Pausen. Essen wollen wir in Sozopol. Die Unterkunft hatten wir vorher im Internet rausgesucht, aber noch nicht gebucht. Quasi direkt vor der Haustür des Guesthouse rufen wir an und buchen ein schönes Zimmer mit Blick aufs Meer. Und sofort ist – zumindest mir klar – dass wir morgen nicht weiterfahren, sondern einen Erholungstag einlegen. Glücklicherweise kann ich Roland relativ schnell für diese Idee gewinnen.

Nachdem wir unser Gepäck ins Zimmer gebracht und uns geduscht haben, gehen wir die Promenade von Sozopol entlang, finden ein Restaurant mit Blick aufs Meer und bestellen die Karte einmal rauf und runter – wir hatten nur Kaffee zum Frühstück und einen Müsliriegel unterwegs und waren entsprechend hungrig. Für Vegetarier ist Bulgarien ein Paradies. Es gibt viele verschiedene Salat und gebratenes Gemüse sowie den besten panierten Käse. Roland bestellt sich Fisch und natürlich gönnen wir uns eine Flasche Weißwein aus dem Gebiet, durch das wir kurz vorher gefahren sind (Weinkellerei Ethno).

Drei Länder in zwei Tagen

Österreich, Slowakei und heute Ungarn mit einem kurzen Stopp in Budapest. Geplant ist, morgen die Transfăgărășan in Rumänien zu fahren, allerdings ist die auf 2.024m gelegene Gebirgsstrasse laut Internet noch gesperrt. Aber ob uns das aufhält…